Europäischer Kulturbogen 2026
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Der große Sommerurlaubsroadtrip 2026!
Amsterdam wird gesondert behandelt (siehe Special Amsterdamer Nachtwache)
Alles zeitlich ineinander fließend wie die europäische Geschichte!
Ca. 2 Wochen auf Tour mit ca. 80 Alben Reisebericht vom 24.05.2026 bis 06.06.2026
Wird präsentiert November 2026 bis Februar 2027!
29. Mai 2026 / Album 1 / Mohnfahrt
Der erste Reisetag begann als klassische Anfahrt und wurde doch schon nach kurzer Zeit zu etwas ganz anderem. Eigentlich war das Ziel klar: von der Eifel aus Richtung Saarland, mit dem Peters Spa am Jägersburger Weiher als vertrautem Sehnsuchtsort am Ende der Strecke. Doch zwischen Eifel, Naheland und Saarland liegt eben nicht nur Asphalt, sondern eine Landschaft, die gerne kleine Überraschungen aus dem Ärmel schüttelt, wenn man mit offenen Augen unterwegs ist. Auf dem Weg zum Disibodenberg, der als großer historischer Zwischenhalt des Tages geplant war, tauchte plötzlich dieses Mohnfeld auf.
Nicht dezent, nicht schüchtern, nicht irgendwie am Rand der Wahrnehmung, sondern richtig leuchtend, als hätte die Landschaft beschlossen, vor der Hildegard-Mystik noch schnell ein rotes Feuerwerk zu zünden. Also wurde aus dem Weg ein Motiv, aus dem Motiv ein Album und aus dem Album der erste echte Atemzug dieses Urlaubstages. So bekam der Tag seine erste Farbe, bevor die eigentliche Geschichte überhaupt begann. Noch war kein Kloster betreten, keine Ruine gesehen, keine alte Eiche bestaunt und kein Pool erreicht. Der Urlaub begann nicht mit Check-in, Zimmerkarte und Kofferrolle, sondern mit einem roten Feld am Wegesrand.
Mit diesen roten Bildern im Kopf und auf der Speicherkarte ging es weiter zum Disibodenberg, und die Farbe des Mohns wirkte fast wie ein Vorzeichen. Denn auch dort sollte es um etwas gehen, das aufblüht, vergeht und dennoch Spuren hinterlässt: um Klosterleben, Visionen, Mystik, Verfall, Erinnerung und die stille Kraft eines Ortes, der seit Jahrhunderten Menschen berührt.
29. Mai 2026 / Album 2 / Hildegards Mystik
Der Disibodenberg ist kein Ort, der sich laut in Szene setzt. Die Geschichte dieses Ortes beginnt weit vor Hildegard. Man spürt, dass der Disibodenberg schon lange vor den großen Klosterbauten als besonderer Ort verstanden wurde, als Rückzugsraum, als geistlicher Ankerpunkt, als Schwelle zwischen Landschaft und Innerlichkeit. Um 1108 wurde der Disibodenberg wiederbesiedelt und von Benediktinermönchen geprägt. Wenige Jahre später, 1112, kam Hildegard als junges Mädchen in die dortige Frauenklause, zusammen mit Jutta von Sponheim und einer weiteren jungen Frau. Hildegard war damals noch nicht die berühmte Hildegard von Bingen. Sie war zunächst ein Mädchen in einer Klause am Disibodenberg.
Der Disibodenberg wurde damit nicht nur ein Wohnort, sondern eine geistige Werkstatt. Nach dem Tod Juttas wurde Hildegard 1136 zur Leiterin der Frauengemeinschaft gewählt. Und Hildegard wusste genau, dass sie ihre Stimme absichern musste. Dabei war sie nicht nur Mystikerin, sondern auch eine bemerkenswert kluge Strategin. Man könnte sagen: Hildegard beherrschte die hohe Kunst, im Gewand der Demut geistliche Sprengkraft zu transportieren. Auf der Trierer Synode 1147/48 gelangten Teile ihres Werkes in den Blick von Papst Eugen III., unterstützt auch durch das Umfeld Bernhards von Clairvaux. Sie erhielt die Erlaubnis, ihre Visionen weiter aufzuschreiben und bekannt zu machen.
Damit war ihr Weg nicht mehr nur lokal, sondern kirchengeschichtlich bedeutsam. Wenn man heute am Disibodenberg zwischen den Mauern steht, sieht man also nicht nur Steine. Man steht an einem Ort, an dem eine außergewöhnliche innere Stimme Gestalt annahm. Hier lernte sie die Sprache der Kirche, die Mechanismen der Macht, die Grenzen der weiblichen Rolle und die Möglichkeiten, diese Grenzen von innen heraus zu verschieben. Der Disibodenberg war für sie Schutzraum und Begrenzung zugleich, Schule und Käfig, Kloster und Geburtsort einer großen geistigen Freiheit. Und genau deshalb berührt dieser Ort so stark.
Er erzählt nicht von fertigem Ruhm, sondern vom Werden. Von Jahrzehnten der Sammlung, der Geduld, des Ringens und der inneren Klärung. In einem spirituellen Sinn ist das fast tröstlich: Auch große Lebenswege beginnen nicht immer mit äußerem Glanz. Manchmal beginnen sie in Stille, in Enge, in Wiederholung, in täglicher Übung, in einem unscheinbaren Raum, den später einmal die Geschichte als Ursprung erkennt. 🌿✨
29. Mai 2026 / Album 3 / Hildegards Panorama
Nach der mystischen Dichte der Ruinen öffnet sich am Disibodenberg immer wieder der Blick in die Landschaft, und gerade diese Wechselwirkung zwischen innerem Raum und äußerer Weite macht den Ort so besonders. Man geht durch alte Mauern, schattige Wege und verwachsene Bögen, und plötzlich liegt vor einem das Panorama über Dörfer, Felder, Hügel und Windräder. Dieses Panorama ist mehr als eine schöne Aussicht. Der Disibodenberg war kein weltabgewandter Ort im Sinne völliger Isolation. Wenn man vom Disibodenberg in die Landschaft blickt, versteht man plötzlich besser, warum ausgerechnet hier ein solches Denken reifen konnte.
Von Bermersheim oder ihrer Herkunftsfamilie führte ihr Weg zum Disibodenberg, von dort geistig nach Trier, Mainz, Köln und in die großen Netzwerke ihrer Zeit, später räumlich nach Bingen und auf den Rupertsberg. Der Blick vom Berg macht auch deutlich, warum der Name Hildegard von Bingen so passend wurde. Sie hätte in der Erinnerung vielleicht Hildegard vom Disibodenberg heißen können, denn hier verbrachte sie den größten Teil ihrer prägenden Jahre. Nachdem ihre Gemeinschaft gewachsen war, wollte sie sich vom Männerkloster des Disibodenbergs lösen und ein eigenes Frauenkloster auf dem Rupertsberg gründen.
Die Mönche wollten sie nicht ziehen lassen, denn ihre Ausstrahlung brachte dem Disibodenberg Ansehen. So betrachtet, erzählt das Panorama nicht nur von Landschaft, sondern von Bewegung. Der Disibodenberg war der Ort der Reifung, Bingen der Ort der Selbstständigkeit. Bermersheim war Herkunft, der Disibodenberg Schule, Bingen Freiheit. Das Album Hildegards Panorama wird dadurch zu einer Art Atemzug innerhalb des Tages. Der Blick hebt sich, die Landschaft wird weit, und man versteht: Hildegards Geist konnte hier nicht nur nach innen gehen, sondern auch nach außen, in die Schöpfung, in die Ordnung der Natur, in jene große Verbundenheit, die ihre Werke bis heute so faszinierend macht. 🌄🌿
29. Mai 2026 / Album 4 / Zeitzeuge
Zwischen den geschichtsträchtigen Mauern und den weiten Ausblicken steht am Disibodenberg noch ein anderer Zeuge, einer, der keine Urkunden geschrieben, keine Visionen diktiert und keine Synoden erlebt hat, jedenfalls nicht bewusst, aber vielleicht gerade deshalb eine besondere Würde besitzt: die alte Eiche. Ob sie tatsächlich 600 oder 700 Jahre alt ist, lässt sich ohne dendrologische Untersuchung nicht sicher sagen, aber sie wirkt alt genug, um jede gewöhnliche menschliche Eile freundlich zu belächeln. Die Eiche passt vollkommen zum Disibodenberg, denn auch sie erzählt von Dauer und Verwandlung. Vielleicht erlebte sie die lange Phase, in der der Disibodenberg nicht als romantische Ruine bewundert wurde, sondern als praktischer Steinbruch diente.
Die Poesie der Ruine ist meistens eine Erfindung späterer Zeiten. Die alten Mauern des Disibodenbergs wurden nicht mehr nur als Restmaterial gesehen, sondern als Erinnerungslandschaft. Sie ist nicht die offizielle Hauptattraktion, aber sie besitzt jene stille Autorität, die kein Schild und keine Broschüre erzeugen kann. Sie steht da, als hätte sie Hildegards Grundgedanken auf ihre eigene botanische Weise verstanden: Alles ist verbunden, alles wächst, alles vergeht, und doch bleibt inmitten der Veränderung eine tiefere Ordnung spürbar. Ein Baum betreibt keine Mystik im menschlichen Sinne, aber manchmal wirkt eine alte Eiche mystischer als manches fromme Traktat.
Für das Album ist sie deshalb mehr als ein schöner Baum. Nach Mohn und Mystik, nach Panorama und Klostergeschichte verdichtet sie alles in einem Bild. Die Ruinen zeigten den Aufstieg und Verfall menschlicher Werke. Sie war wie ein grüner Kommentar zur ganzen Reise: Menschen bauen, streiten, beten, gründen, verlassen, vergessen und entdecken neu. Die Natur aber nimmt alles auf, überwächst es, verwandelt es und schenkt ihm irgendwann eine Schönheit, die niemand geplant hat. So wurde dieser Baum zu einem stillen Höhepunkt des Disibodenbergs. Nicht laut, nicht spektakulär, nicht touristisch aufdringlich, sondern einfach gegenwärtig.
29. Mai 2026 / Album 5 / Peters Spa Again
Nach dem Disibodenberg führte die Reise weiter Richtung Saarland, und nach Mohnfeld, Mystik, Panorama und alter Eiche wechselte der Tag langsam seine Farbe. Aus dem mittelalterlichen Klosterberg wurde nun ein vertrauter moderner Rückzugsort: das Peters Hotel & Spa am Jägersburger Weiher. 2020 führte die Hochzeitsreise hierher, und damit wurde das Peters Spa gewissermaßen Teil der persönlichen Geschichte. Danach kamen weitere Besuche 2021, 2024 und nun wieder 2026. Manche Orte bleiben neutral, selbst wenn sie schön sind. Genau so wirkt das Peters Spa inzwischen: nicht nur als Hotel, sondern als persönlicher Ankerpunkt im Saarland.
Hildegard hätte vermutlich noch eine Kräuteranwendung dazu empfohlen, aber der Pool tat es auch. 😊 Das Peters Spa trägt in diesem Tagesbericht deshalb eine andere Art von Geschichte. Nach Stunden auf Wegen, an Mauern und Aussichtspunkten durfte der Tag nun weicher werden. Das Programm trat zurück, der Urlaub rückte nach vorne. Ein Reisetag, der nur aus Besichtigung besteht, kann leicht zu einem historischen Leistungssport werden. Ein Reisetag, der nach der Geschichte ins Wasser fällt, bekommt dagegen etwas Rundes. Natürlich bleibt bei einem solchen Ort auch der kleine ironische Seitenblick nicht aus.
Ein Wellnesshotel mitten im Saarland, am Weiher, mit Dachpool und Erholungsversprechen, während unten vielleicht nur wenige Autos auf dem Parkplatz stehen und man sich fragt, wie dieses ganze schöne Konstrukt wirtschaftlich eigentlich tanzt, ohne über die eigenen Bademäntel zu stolpern. Aber genau solche Gedanken gehören ja auch zum Reisen: Man genießt die Schönheit und beobachtet gleichzeitig die Absurditäten der Welt. Für den ersten Urlaubstag war das Peters Spa jedenfalls der perfekte zweite Pol. Der Disibodenberg hatte die Tiefe gebracht, das Peters Spa brachte die Gegenwart. Dort alte Mauern und Hildegards Weg in die Freiheit, hier Wasser, Licht und persönliche Erinnerung.
29. Mai 2026 / Album 6 / Peters Bootsfahrt
Zum Abschluss des Tages ging es hinaus auf den Jägersburger Weiher, und damit bekam der Anreisetag noch einmal eine neue Perspektive. Die Bootsfahrt rund um den Weiher war dadurch mehr als ein kleines Freizeitprogramm. Morgens noch die Anfahrt aus der Eifel, dann das spontane rote Mohnfeld, danach der Disibodenberg mit Hildegards Mystik, Panoramablicken und alter Eiche, anschließend die Ankunft im Peters Spa, der Pool, die Wiederkehr an einen vertrauten Ort, und nun dieses ruhige Gleiten über das Wasser. Vom Boot aus zeigte sich auch das Peters Spa noch einmal anders.
Diese Bootsfahrt schloss den Tag wunderbar ab, weil sie alle Motive noch einmal in Ruhe zusammenführte. Der Disibodenberg hatte die Tiefe der Zeit geöffnet. Das Peters Spa brachte persönliche Erinnerung und körperliche Entspannung. Der Weiher schließlich nahm alles auf und spiegelte es, wie Wasser eben spiegelt: nicht erklärend, nicht kommentierend, sondern still. So wurde der 29. Mai 2026 weit mehr als ein Anreisetag. Er war eine kleine Reise vom Zufall zur Geschichte, von der Straße zum Mohnfeld, vom Mohnfeld zur Mystik, von der Mystik zur Weite, von der alten Eiche zum modernen Spa und vom Pool hinaus aufs Wasser.
Ein Tag, der nicht nach Planerfüllung roch, sondern nach Entdeckung. Und vielleicht ist genau das der schönste Beginn eines Urlaubs: wenn man losfährt, um anzukommen, und unterwegs merkt, dass der Weg selbst schon längst angefangen hat zu erzählen. 🌺🌿✨🚣
30. Mai 2026 / Album 1 / Joggingrunde Jägersburg
Der zweite Reisetag begann früh, sehr früh, genau in jener stillen Morgenstunde, in der die Welt noch nicht ganz entschieden hat, ob sie schon wach sein möchte oder lieber noch ein wenig im Traumland herumdümpelt. Gegen sechs Uhr lag der Jägersburger Weiher in einer wunderbaren Ruhe da, als hätte jemand über Nacht den Lärm der Welt ausgestellt und nur Wasser, Wald und Vogelstimmen übrig gelassen. Gerade für eine Joggingrunde war das perfekt, denn der See zeigte sich in diesem sanften Morgenlicht nicht als touristische Kulisse, sondern als stiller Naturraum, in dem alles noch frisch, klar und beinahe meditativ wirkte.
Für einen kurzen Moment sah es aus wie ein Rebhuhn oder eine ähnliche kleine Waldgestalt, aber noch bevor man es genauer betrachten konnte, war es bereits wieder fort. Nach der Runde war der Tag jedenfalls wach. Der See hatte seinen stillen Auftakt gegeben, der Körper war in Bewegung gekommen, und aus dem friedlichen Morgen am Wasser wurde nun ein großer historischer Reisetag, der wenig später vom Saarland hinüber in die Pfalz führen sollte.
30. Mai 2026 / Album 2 / Trifelser Panorama
Nach dem morgendlichen Auftakt am Jägersburger Weiher ging es weiter in Richtung Pfalz, und schon die Annäherung an den Trifels hatte diese besondere Spannung, die große historische Orte oft ausstrahlen, noch bevor man sie überhaupt richtig betreten hat. Diese Botschaft begann nicht erst mit den Staufern, auch wenn der Trifels vor allem mit ihnen verbunden ist. Der Trifels lag strategisch günstig, kontrollierte Wege und Räume und eignete sich hervorragend als königlicher und später kaiserlicher Stützpunkt. Unter den Staufern wurde daraus dann eine der bedeutendsten Reichsburgen überhaupt. Friedrich Barbarossa und seine Nachfolger nutzten diese Burg nicht nur als militärische Anlage, sondern als Symbol kaiserlicher Macht.
Das Panorama rund um den Trifels macht sofort verständlich, warum dieser Ort so wichtig war. Genau darin liegt die besondere Wirkung dieses Albums: Der Trifels erscheint nicht bloß als Ausflugsziel, sondern als Landschaftsthron. Der Pfälzerwald wird hier zur Bühne der Reichsgeschichte.
30. Mai 2026 / Album 3 / Trifelser Ausblicke
Oben auf dem Trifels verändert sich der Eindruck noch einmal. Während das erste Panorama vor allem die Burg als mächtiges Objekt in der Landschaft zeigt, öffnen sich von der Burg selbst aus jene Ausblicke, die den ganzen Sinn dieses Ortes erklären. Die Ausblicke vom Trifels sind heute vor allem schön. Der Trifels war damit nicht nur ein einzelner befestigter Felsen, sondern Teil eines größeren Systems von Machtpunkten im Pfälzerwald. Gerade dieser Gegensatz macht die Ausblicke so spannend. Dabei bekommt der Blick vom Trifels fast etwas Zeitloses. Die Menschen wechseln, die politischen Systeme wechseln, die Fahnen wechseln, aber die Landschaft bleibt als großer stiller Zeuge bestehen.
Der Trifels schaut, könnte man sagen, seit Jahrhunderten zu, wie die Welt sich wichtig nimmt. Und der Pfälzerwald rauscht dazu vermutlich nur leise mit den Blättern. 🌿
30. Mai 2026 / Album 4 / Löwenherz Lösegeld
Im Inneren des Trifels verdichtet sich die Geschichte dann endgültig. Der Trifels war im Mittelalter unter anderem deshalb so bedeutend, weil hier zeitweise die Reichskleinodien aufbewahrt wurden. Besonders berühmt wurde der Trifels aber durch Richard Löwenherz. In der populären Erinnerung erscheint Richard meist als strahlender Held, vor allem durch die Robin-Hood-Geschichten. Richard Löwenherz geriet 1192 auf der Rückreise vom Dritten Kreuzzug in Gefangenschaft. Zunächst wurde er von Herzog Leopold V. von Österreich festgesetzt und später an Kaiser Heinrich VI. übergeben. Für Heinrich war das ein ungeheurer politischer Glücksfall.
Die unangenehmere Wahrheit, dass Richard als König durch ein gigantisches Lösegeld ausgelöst werden musste und Heinrich VI. daraus politischen und finanziellen Nutzen zog, passt natürlich nicht so gut in das Bild des makellosen Heldenkönigs. Gerade am Trifels wird sichtbar, wie anders das Mittelalter wirklich war. Barbarossa, Heinrich VI., die Staufer, die Welfen, die Plantagenets und der englische König Richard Löwenherz gehören hier in ein großes europäisches Machtgeflecht. Der Trifels war darin kein Nebenschauplatz, sondern einer jener Orte, an denen sich politische Wirklichkeit verdichtete. Die Krone verweist auf Herrschaft, das Schwert auf Gewalt und Schutz, die Lanze auf sakrale Legitimation, und Richard Löwenherz auf die nüchterne Wahrheit, dass selbst Könige in Ketten gelegt werden konnten, wenn die politische Lage es hergab.
Der Trifels zeigt hier nicht nur seine schöne Seite, sondern seine tiefere historische Bedeutung. Er ist Burg, Schatzkammer, Gefängnis, Symbol und Bühne zugleich.
30. Mai 2026 / Album 5 / Landauer Geschichten
Nach der mittelalterlichen Welt des Trifels führte der Weg weiter nach Landau, und damit sprang der Tag mehrere Jahrhunderte nach vorne. Landau wirkt heute auf den ersten Blick freundlich, urban und angenehm entspannt. Die Stadt wurde unter französischer Herrschaft zu einer modernen Festung ausgebaut, geprägt durch die Logik Vaubans, des berühmten Festungsbaumeisters Ludwigs XIV. Vauban dachte nicht in romantischen Burgen, sondern in Geometrie, Schussfeldern, Bastionen, Gräben und mathematisch berechneter Verteidigung. Landau wurde dadurch Teil einer neuen militärischen Welt. Das ist der große Bruch zwischen Trifels und Landau. Auf dem Trifels steht man noch in der Welt der hochmittelalterlichen Reichsburg, der Kronen, Schwerter und Gefangenen.
In Landau betritt man die Epoche des absolutistischen Staates, der Landschaften systematisch organisiert, Städte zu Festungsmaschinen umbaut und Krieg nicht mehr nur durch Burgen, sondern durch technische Planung führt. Beim Spaziergang durch Landau zeigen sich mehrere Zeitschichten. Plötzlich treten prächtige Fassaden, Sandstein, historistische Formen und selbstbewusste Stadthäuser in den Vordergrund. Landau wird dadurch zu einem historischen Schichtkuchen, allerdings einem mit ziemlich viel Pulverdampf in der unteren Lage. Ludwig XIV., Vauban, die Kriege der Pfalz, französische Festungslogik, deutsche Gründerzeit und moderne Stadtentwicklung liegen hier übereinander. Landau ist dadurch kein idyllisches Postkartenbild ohne Brüche, sondern eine Stadt, in der Europa seine Konflikte in Stein, Straßen und Grundrisse eingeschrieben hat.
30. Mai 2026 / Album 6 / Lost Bismarck
Zum Abschluss des Tages führte der Weg noch zum Bismarckturm in Landau. Nach Jägersburger Weiher, Trifels und Festungsstadt war das fast der logische Endpunkt, denn nun sprang die Zeit noch einmal weiter, hinein in die Welt des Deutschen Kaiserreiches und der nationalen Denkmäler um 1900. Der Bismarckturm steht auf seiner Anhöhe wie ein steinerner Nachhall jener Epoche, in der man Geschichte gerne in Monumente verwandelte. An bestimmten Tagen sollten darauf Feuer entzündet werden, weithin sichtbar als Zeichen nationaler Verehrung für Otto von Bismarck, den Reichsgründer. Damit unterscheidet sich der Bismarckturm deutlich von den älteren Orten des Tages.
Der Bismarckturm dagegen ist vor allem Erinnerungspolitik in Stein. Das passt fast schon unfreiwillig ironisch zu jener Monumentalbegeisterung um 1900, bei der man manchmal größer dachte, als die Statik zunächst mitmachen wollte. Dann führte der Weg zum Trifels, in die Welt der Salier, Staufer, Reichskleinodien und Königshaft. Danach zeigte Landau die Festungslogik Ludwigs XIV. und Vaubans, bevor der Bismarckturm schließlich die Denkmalwelt des Kaiserreiches aufrief. So wurde der 30. Mai 2026 zu einem Reisetag durch fast tausend Jahre Geschichte. Der Morgen am Weiher brachte Ruhe, der Trifels brachte Machtgeschichte, Landau brachte europäische Kriegsarchitektur, und der Bismarckturm brachte den letzten steinernen Kommentar des Kaiserreiches.
31. Mai 2026 / Album 1 / Mystical B-Day
Der dritte Reisetag begann nicht mit lautem Geburtstagsgetrommel, sondern mit jener seltenen, fast geheimnisvollen Stille, die nur sehr frühe Morgen kennen. Der Name Jägersburg selbst ist also kein poetischer Zufall, sondern ein historischer Fingerabdruck jener Zeit, in der Fürsten Landschaften nicht nur bewohnten, sondern regelrecht inszenierten. Wo heute Spaziergänger, Jogger, Familien und Hotelgäste unterwegs sind, lag einst eine Welt aus Jagdwegen, höfischer Repräsentation, Weihern und Waldrevieren. Die noch erhaltene Gustavsburg erinnert an ältere Befestigungs und Schlossgeschichte, während das große Jagdschloss Jägersburg, das im 18. Jahrhundert in Anlehnung an französische Vorbilder entstand, längst verschwunden ist.
Und genau darin liegt die leise Ironie solcher Orte: Das Repräsentative vergeht, der Weiher bleibt. Eine evolutionär sehr vernünftige Verwaltungsreform. 😁 Für den eigenen Geburtstag passte dieser Morgen deshalb erstaunlich gut. Ein violetter Sonnenaufgang über einem alten Weiher, ein letzter Lauf vor dem Auschecken, ein kurzer Abschied von einem Hotel, das durch seinen Namen natürlich ohnehin fast familienmythische Qualitäten entwickelt. Peters im Peters Hotel, das ist ja nicht einfach Unterkunft, das ist mindestens eine kosmische Aktennotiz mit Seezugang. Wenn man dann noch bedenkt, dass dieser Ort bereits mit Hochzeitsreise, späteren Wiederkehrten und nun dem Geburtstag 2026 verbunden ist, wird daraus fast ein persönlicher kleiner Pilgerort.
Ein Ort, an dem sich Lebensstationen wieder berühren, als würden sie am Ufer kurz nebeneinander sitzen.
31. Mai 2026 / Album 2 / Spaabschied
Nach dem Lauf, dem Frühstück, dem Auschecken und dem letzten Blick zurück auf See und Hotel begann die Bewegung des Tages nach Süden. Vom Saarland ging es weiter Richtung Elsass, Richtung Nordvogesen, Richtung Wasgau. Man fährt dort nicht einfach zu einer Burg, sondern allmählich in eine andere geologische und historische Stimmung hinein. Die roten Sandsteinfelsen, die dichten Wälder und die alten Grenzräume zwischen Pfalz und Elsass bereiten den Auftritt von Burg Fleckenstein fast theatralisch vor. Er sieht aus, als sei er selbst die Burg.
31. Mai 2026 / Album 3 / Fleckenstein Ausblicke
Die Burg Fleckenstein gehört zu jenen Orten, bei denen man schon beim ersten Blick versteht, weshalb Menschen des Mittelalters gerade hier Macht, Schutz und Herrschaft verankern wollten. Gerade für ein Außenalbum ist Fleckenstein deshalb ideal, weil sich die Burg von fast jeder Perspektive anders zeigt. Diese Farbe ist typisch für die Burgenlandschaft des Pfälzerwaldes und der Nordvogesen. Wer Fleckenstein anschaut, sieht deshalb nicht nur Architektur, sondern auch Geologie, Landschaft und Machtgeschichte in einem einzigen Bild. Historisch gehört die Burg tief in die Welt der Stauferzeit. Erstmals erwähnt wird der Name Fleckenstein im Jahr 1174, als Gottfried von Fleckenstein im Dienst Kaiser Friedrichs I.
Barbarossa war nicht nur irgendein mittelalterlicher Herrscher mit hübschem Legendenbart, sondern eine der mächtigsten Figuren des 12. Jahrhunderts. Unter ihm verdichtete sich das Reichsdenken der Staufer, und Orte wie Haguenau, Trifels, Kaiserslautern und die Burgen des Wasgaus bildeten wichtige Knotenpunkte kaiserlicher Präsenz. Fleckenstein sicherte in diesem Zusammenhang den Raum zwischen Elsass und Pfalz und stand im Dienst jener staufischen Ordnung, die nicht nur durch Urkunden, Heere und Hoftage funktionierte, sondern auch durch sichtbare Zeichen im Raum. Die Nähe zur Kaiserpfalz Haguenau ist dabei besonders wichtig. Haguenau war unter den Staufern ein bedeutender Herrschaftsort im Elsass, eine Pfalzlandschaft von europäischem Rang.
Wenn die Familie Fleckenstein im Namen der Hohenstaufen die Festung bewachte und zugleich die kaiserlichen Interessen im Raum schützte, dann wird aus dieser Burg ein Teil der großen politischen Topografie des Reiches. In diesem Sinn ist Fleckenstein ein wunderbarer Ort, um zu begreifen, dass Landschaft nie nur Landschaft ist. Über Jahrhunderte blieb Fleckenstein Stammsitz einer der einflussreichen Familien des Unterelsass. Mittelalterliche Kriegsführung war schon unangenehm genug, auch ohne dass man gegen einen roten Felsen anrennen musste, der aussah, als hätte er schlechte Laune seit der Trias. 😄 Fleckenstein wurde 1674 von französischen Truppen eingenommen und 1680 zerstört.
Gerade als Ruine besitzt die Burg heute eine viel stärkere poetische Kraft, als sie vielleicht als intakter Herrschaftsbau je gehabt hätte. Die zerbrochenen Mauern, die offenen Fenster und die in den Felsen geschnittenen Räume lassen die Anlage nicht tot erscheinen, sondern durchlässig. Der Wald ist zurückgekehrt, der Himmel ist eingezogen, das Licht wandert frei durch Öffnungen, in denen früher Wachen standen oder Bewohner nach draußen blickten. Die Burg ist nicht verschwunden, sie hat nur ihre Rolle gewechselt. Für das Album mit den Außenansichten lässt sich dieser Wandel wunderbar erzählen. Die Fotos zeigen nicht einfach Mauern und Felsen, sondern die große Verwandlung eines Ortes.
Man sieht das staufische Mittelalter, die adelige Familiengeschichte, die militärische Bedeutung des Wasgaus, die französische Zerstörung und die spätere Wiederentdeckung als Denkmal in einem einzigen Landschaftskörper. Fleckenstein steht da wie ein roter Zeuge, halb Burg, halb Berg, halb Sage. Ja, mathematisch sind das drei Hälften, aber bei mittelalterlichen Felsenburgen darf die Logik kurz ehrfürchtig den Hut ziehen. ✨
31. Mai 2026 / Album 4 / Fleckenstein Downstairs
Wenn das Äußere der Burg Fleckenstein Macht und Fernwirkung zeigt, dann offenbart das Innere ihre eigentliche Seele. Gerade diese inneren Bereiche machen Fleckenstein so besonders. Gerade Felsenburgen wie Fleckenstein hatten dabei besondere Herausforderungen. Fleckenstein besitzt dazu nicht nur technische, sondern auch sagenhafte Überlieferungen. In den elsässischen Sagen erscheint sogar der Teufel als Brunnenbauer der Fleckensteiner. Irgendwer musste ja für die Bauabteilung zuständig sein. 😁 Die Familie Fleckenstein lebte und herrschte über viele Jahrhunderte von diesem Ort aus. Während draußen Reiche sich wandelten, Kaiser kamen und gingen, Frankreich stärker wurde, das Elsass seine politische Zugehörigkeit veränderte und die Kriegstechnik sich modernisierte, blieb dieser Felsen der Bezugspunkt einer adeligen Welt.
Innen spürt man diese Dauer deutlicher als außen. Außen sieht man die große Form, innen die Spuren menschlicher Anpassung. Jedes Fenster sagt: Hier wollte jemand Licht, Luft oder Überblick. Dabei ist Fleckenstein auch ein Ort der Grenze. Nicht nur politisch zwischen Elsass, Pfalz, Reich und später Frankreich, sondern auch symbolisch. Eine Burg konnte noch so fest sein, ihre Bewohner blieben abhängig von Nahrung, Wasser, Feuer, Gesundheit und Frieden. Die Mauern schützten, aber sie machten nicht unsterblich. Der Felsen trug, aber er löste Dukkha nicht auf. Das ist vielleicht die tiefere Wahrheit solcher Ruinen: Sie zeigen, dass menschliche Sicherheit immer nur relativ ist, selbst wenn sie aus rotem Sandstein besteht und jahrhundertelang den Wald überragt. 🌿
Nach der Zerstörung im 17. Jahrhundert wurde Fleckenstein nicht wieder als lebendige Burg aufgebaut. Gerade deshalb blieb sie in diesem Zwischenzustand erhalten, der heute ihren Reiz ausmacht. Wäre sie vollständig verschwunden, gäbe es nur Erinnerung. Wäre sie vollständig restauriert, gäbe es vielleicht zu viel Glätte. Als Ruine aber bleibt sie offen genug für Vorstellungskraft und konkret genug für Geschichte. Man sieht, wo Menschen lebten, aber man muss die Lücken selbst füllen. Man erkennt Räume, aber nicht mehr jedes Detail. Es ist diese Mischung, die Fleckenstein zu einem der stärksten Burgorte im nördlichen Elsass macht.
Für das Album der inneren Werte passt deshalb ein anderer Ton als für die Außenansichten. Hier geht es weniger um Panorama und mehr um Nähe. Weniger um das große Zeichen in der Landschaft und mehr um die Frage, wie Menschen in einem solchen Zeichen tatsächlich gelebt haben könnten. Die Fotos aus dem Inneren erzählen von Treppen, Schatten, Stein, Öffnungen, Kammern und Durchblicken. Sie zeigen nicht nur die Burg als Denkmal, sondern die Burg als begehbaren Organismus. Man steigt durch sie hindurch wie durch ein versteinertes Gedächtnis. Und vielleicht war genau das der schöne Bogen dieses Geburtstagsvormittags.
Der Tag begann am Wasser, im violetten Licht, mit Bewegung, Atem und Stille. Danach führte er in den Wald, zum roten Felsen, in eine Burg, deren äußere Gestalt von Macht erzählt und deren Inneres von Vergänglichkeit, Erfindungsgeist und Überleben. Zwischen Weiher und Fels, zwischen Morgendämmerung und Mittelalter, zwischen Peters Hotel und Barbarossas Schatten entstand so ein Reisetag, der nicht einfach nur Stationen sammelte, sondern Schichten. Ein ziemlich würdiger Auftakt für den Weg nach Straßburg. 🎂🏰🌲
31. Mai 2026 / Album 5 / Straßburger Straßen
Nach dem roten Sandstein der Burg Fleckenstein veränderte sich die Reise noch einmal auf fast theatralische Weise. Straßburg empfängt einen nicht wie ein Ort, der einfach nur schön sein möchte. Straßburg wirkt eher wie ein vielschichtiges Manuskript, das über zwei Jahrtausende immer wieder überschrieben wurde, ohne dass die früheren Zeilen ganz verschwunden wären. Der historische Kern Straßburgs liegt auf der Grande Île, jener großen Insel, die von der Ill und dem Canal du Faux Rempart umflossen wird. Die UNESCO hat genau diesen Zusammenhang erkannt: Straßburg ist nicht nur wegen einzelner Monumente bedeutend, sondern wegen seines ganzen Stadtgefüges, in dem römische Spuren, mittelalterliche Struktur, rheinische Renaissance, französischer Klassizismus und deutsche Stadterweiterung miteinander verwoben sind.
Man könnte sagen: Straßburg ist ein architektonischer Dialekt Europas. Im Zentrum dieses Geflechts steht das Straßburger Münster, die Kathedrale Notre Dame. Das Münster wirkt nicht nur groß, sondern auf eine beinahe widersprüchliche Weise gleichzeitig schwer und durchsichtig. In seiner heutigen Gestalt wird das Münster vor allem mit der langen Bauzeit von 1015 bis 1439 verbunden. Mit seinem 142 Meter hohen Turm war es über Jahrhunderte eines der höchsten Bauwerke der Christenheit und überragte die Stadt wie ein steinernes Weltzeichen. Man versteht dann, warum solche Kathedralen im Mittelalter nicht bloß Gebäude waren, sondern Kosmogramme aus Stein, Abbilder einer geordneten Welt, in der Erde und Himmel durch Architektur miteinander ins Gespräch gebracht wurden.
Das Mystische an einem solchen Münster liegt nicht darin, dass man eine bestimmte religiöse Formel übernehmen müsste. Die gotische Kathedrale ist im Grunde ein Versuch, Schwere in Licht zu verwandeln. In diesem Sinn ist das Münster kein bloßes Kirchengebäude, sondern eine große steinerne Meditationsanleitung. Straßburg war seit der Antike ein strategischer Ort am Rheinraum. Im Mittelalter gewann Straßburg wirtschaftliche und politische Bedeutung, wurde freie Reichsstadt und entwickelte ein starkes städtisches Selbstbewusstsein. Die Kathedrale stand in diesem Zusammenhang nicht nur für Frömmigkeit, sondern auch für städtischen Stolz. Rund um das Münster verdichtet sich diese Geschichte in besonderer Weise.
Der Münsterplatz gehört zu den stärksten Stadträumen Europas, weil er nicht aus einer einzigen Epoche besteht, sondern aus vielen Schichten. Die Kathedrale dominiert, aber sie steht nicht allein. Fachwerk, Bürgerhäuser, enge Straßen, kleine Platzräume, das Maison Kammerzell mit seiner reichen Renaissancefassade, das Palais Rohan als französisch klassizistischer Gegenpol und die umliegenden Gassen bilden ein Ensemble, in dem die Stadtgeschichte nicht abstrakt bleibt. In Straßburg kommt das Münster nicht irgendwann ins Bild. Im Inneren der Kathedrale verschiebt sich der Eindruck erneut. Draußen ist das Münster Stadtzeichen, Turm, Fassade, monumentale Erscheinung. Dass dort Figuren auftreten, Lebensalter vorüberziehen, Apostel erscheinen und ein Hahn kräht, hat fast etwas von einem mittelalterlichen Theater des Universums.
Gerade nach Fleckenstein ergibt sich ein schöner Kontrast. Die Burg zeigte Macht im Felsen, die Kathedrale zeigt Sehnsucht im Stein. Das Münster ist Öffnung, Sammlung, Stadtmitte, vertikaler Traum. Aber während die Burg den Blick über den Wald schickt, zieht die Kathedrale den Blick in den Himmel. Und vielleicht liegt genau darin die innere Dramaturgie dieses Geburtstags: vom Wasser des Jägersburger Weihers zum Felsen des Wasgaus und dann zum Münster von Straßburg, vom Morgenlicht über die Wehrburg bis zur gotischen Höhe. Für das Album Straßburger Kathedrale passt deshalb ein Ton, der nicht nur Sehenswürdigkeit sagt, sondern Mittelpunkt.
Das Münster ist kein Fotomotiv unter vielen, sondern der steinerne Pol, um den die Altstadt kreist. Straßburg ist in diesem Kern nicht glatt, nicht neu, nicht makellos herausgeputzt. Manche Fassaden wirken alt, manche Ecken müde, manche Straßen haben Patina. Und das Münster steht mittendrin wie ein roter Zeigefinger in Richtung Himmel, allerdings ein sehr kunstvoller, gotischer Zeigefinger, der vermutlich 600 Jahre Bauausschusssitzungen überlebt hat. 😁 Wenn das Münster Straßburgs vertikale Seele ist, dann ist Petite France seine wasserhelle, verwinkelte, beinahe märchenhafte Erinnerung. Nach der großen steinernen Wucht der Kathedrale verändert sich die Stimmung, sobald man in die Straßen und Gassen Richtung Ill und Petite France eintaucht.
Der Blick steigt nicht mehr nur nach oben zum Turm, sondern gleitet über Fachwerk, Brücken, Kanäle, Blumenkästen, Wasserflächen und Spiegelungen. Straßburg zeigt hier nicht mehr zuerst seine Macht zum Himmel, sondern sein Leben am Wasser. 🌊 Der Albumtitel Straßburger Straßen passt dafür wunderbar, weil diese Straßen nicht einfach Wege sind. Sie sind wie Fäden, die verschiedene Zeiten miteinander verknoten. Man läuft durch die Grande Île, und ständig wechselt die Stadt ihr Gesicht. Mal steht man in einer engen Gasse, in der die Häuser leicht zueinander geneigt wirken, als würden sie seit Jahrhunderten miteinander tratschen.
Mal öffnet sich ein Platz, mal taucht in der Ferne wieder der Münsterturm auf, mal riecht es nach Restaurantküche, feuchtem Stein, Holz, Tourismus und altem Stadtstaub. Das klingt nicht sehr poetisch, aber alter Stadtstaub ist historisch vollkommen unterschätzt. Er ist gewissermaßen die trockene Fußnote der Jahrhunderte.
31. Mai 2026 / Album 6 / Petit France
Petite France liegt im südwestlichen Bereich der Grande Île, dort, wo sich die Ill in mehrere Arme und Kanäle aufteilt. Gerade das macht Petite France so interessant. Das ist eine typische Verwandlung historischer Städte: Was früher Mühsal war, wird später Atmosphäre. Das Wasser ist in Petite France nicht nur Kulisse, sondern Erzähler. Dadurch entsteht ein langsamerer Rhythmus als am Münster. Das Münster wäre ohne die Stadt nicht denkbar, die Stadt ohne ihr Wasser nicht. Die Grande Île ist gerade deshalb so stark, weil sie beides zusammenhält: den himmelwärts strebenden Turm und die waagerecht dahinfließenden Kanäle.
Sie erinnerten daran, dass Straßburg nicht nur Handelsstadt, Bischofsstadt und Kunststadt war, sondern auch eine Stadt, die ihre Unabhängigkeit und ihre Zugänge sichern musste. Noch deutlicher wird dies am Barrage Vauban, dem Vauban Damm, der wenige Schritte weiter die Wasser und Verteidigungsgeschichte der Stadt fortsetzt. Nach der Eingliederung Straßburgs in das französische Königreich 1681 wurden die Befestigungen durch Vauban und seine Ingenieure neu gedacht. Der Barrage Vauban war nicht einfach eine Brücke oder ein Damm, sondern ein militärisches Wasserwerk. Für ein Album über Straßburger Straßen und Petite France ist genau diese Mischung entscheidend.
Aber dahinter liegt eine dichte Geschichte aus Arbeit, Verteidigung, Handel und Stadtentwicklung. Und sie ist, wenn man genau hinsieht, durchaus rau. Die alten Häuser neigen sich nicht deshalb so charmant, weil ein Tourismusdesigner das hübsch fand. Sie stehen da, weil Generationen sie genutzt, verändert, repariert, überformt und weitergegeben haben. Natürlich kann man an manchen Stellen denken, dass ein bisschen Farbe nicht geschadet hätte. Aber dann würde Straßburg vielleicht ein wenig zu sehr nach frisch gebügeltem Erlebnispark aussehen. So bleibt es eine echte Stadt, mit Falten, Schatten, Wasserflecken und Würde. Petite France ist auch deshalb so wirkungsvoll, weil es die harte Geschichte weich spiegelt.
Das Viertel war Arbeitsraum, dann Grenzraum, dann Denkmalraum, heute Touristenmagnet. Es nimmt den Fassaden ihre Strenge, verdoppelt die Häuser in Spiegelungen, lässt Licht tanzen, zieht Linien durch die Stadt und erinnert daran, dass auch große Geschichte fließt. Straßburg kennt diese Wechsel besser als viele andere Städte. Vielleicht wirkt es deshalb so europäisch, weil es nie in einer einzigen Identität erstarrt ist. Nach dem morgendlichen Weiher, der Burg Fleckenstein und dem Straßburger Münster rundet Petite France diesen Geburtstagstag auf eine fast organische Weise ab. Der Tag begann am Wasser, führte zum Felsen, stieg mit der Kathedrale in die Höhe und kehrte dann wieder ans Wasser zurück.
Aber es war nicht mehr das stille, violette Wasser des Jägersburger Weihers, sondern das städtische Wasser der Ill, durch Kanäle gezähmt, von Brücken gefasst, von Fachwerk begleitet und von Geschichte umspült.
31. Mai 2026 / Album 7 / Châteauinsider
Und von dort aus führte der Weg am Nachmittag noch einmal in einen anderen Straßburger Raum. Nicht mehr in die enge, dicht beschriebene Altstadtinsel, sondern hinaus nach Robertsau, in den grünen Norden der Stadt. Dort wird Straßburg plötzlich ruhiger, baumreicher, fast landschaftlich. Nach dem Gewimmel der Grande Île öffnet sich eine andere Bühne: Parkwege, altes Schlossgelände, feuchtes Grün, herrschaftliche Erinnerung. So wurde aus dem Wasser der Ill allmählich der Regen über dem Parc de Pourtalès, und aus der mittelalterlichen Stadtgeschichte eine europäische Schlossgeschichte mit Salonstaub, Kriegsspuren, Bildungswelt und einer sehr eigensinnigen Klimaanlage.
Nach Münster, Petite France, Straßburger Straßen und diesem ganzen flirrenden Stadtkörper aus rotem Sandstein, Wasser, Fachwerk und europäischer Erinnerung führte der Tag hinaus in den grüneren, weitläufigeren Norden Straßburgs. Robertsau wirkt im Vergleich zur Altstadt fast wie ein Ausatmen. Das Château de Pourtalès liegt dort nicht mitten im urbanen Gewimmel, sondern in einem eigenen kleinen Landschaftsraum, eingebettet in den Parc de Pourtalès, als hätte sich Straßburg hier eine höfische Nebenwelt aufgehoben. 🌿 Der violette Morgen am Jägersburger Weiher, Burg Fleckenstein im roten Wasgau Stein, das Münster, die Gassen, Petite France, all das war offenbar unter einer stillen meteorologischen Sondergenehmigung gelaufen.
Und dann, gegen drei Uhr nachmittags, als das Château erreicht war, brach das Gewitter los, als hätte der Himmel seine zurückgehaltenen Aktenordner auf einmal vom Schreibtisch gekippt. Denn das erste Zimmer war offenbar nicht ganz das, was man sich nach einem solchen Geburtstagstag erhofft. Nach violettem Sonnenaufgang, Barbarossa Felsen, gotischem Münster und Petite France Zauber möchte man ja nicht unbedingt im Zimmer landen und denken: Na gut, das Universum hatte beim Innenausbau offenbar kurz Mittagspause. Man könnte fast sagen, Petite France hatte sich über die Ill hinaus bis ins Zimmer vorgearbeitet.
Wenn man den Faden sauber aufrollt, merkt man schnell: Dieses Château de Pourtalès ist kein normales Schloss, sondern eher eine europäische Bühne mit wechselnden Kulissen. Am Anfang stand noch gar keine Familie Pourtalès. Das Schloss entstand um 1750 in Robertsau bei Straßburg, zunächst als eher kleineres Landhaus. Als früher Bauherr wird Joseph Guérault genannt, ein Unternehmer im Umfeld der königlichen Festungsarbeiten von Straßburg. Das ist schon für sich interessant, denn damit führt eine unscheinbare Linie von der militärischen Welt Straßburgs, von Festungsbau, Technik und königlicher Infrastruktur, hin zu einem späteren Ort der Salonkultur.
Der große Glanzname des Hauses ist dann Mélanie de Pourtalès, geboren als Mélanie Renouard de Bussière. Sie lebte nicht im 18. Jahrhundert und war also keine Dame aus der Rokoko Welt um 1750, sondern eine Gestalt des 19. Jahrhunderts, geboren 1836 und gestorben 1914. Damit gehört sie in das Zeitalter von Napoleon III., Kaiserin Eugénie, deutsch französischem Spannungsfeld, Belle Époque und dem langen, hell schimmernden, aber schon unruhigen Vorabend des Ersten Weltkriegs. Sie heiratete Graf Edmond de Pourtalès, Sohn einer schweizerisch französischen Bankiers und Kunstsammlerfamilie. Mélanie war keine Partyqueen im heutigen Sinne, auch wenn man bei den Gästelisten kurz versucht ist, ihr zumindest den Titel Generaldirektorin für gepflegten europäischen Gesellschaftsdonner zu verleihen.
Zwischen etwa 1870 und 1914 wurde das Château zu einem gesellschaftlichen Treffpunkt der europäischen Elite. Auf historischen Gästelisten tauchen Namen auf wie Napoleon III., Kaiserin Eugénie, Franz Liszt, Albert Schweitzer, Ludwig I. von Bayern, Metternich, Mitglieder belgischer und russischer Fürstenhäuser sowie der Großherzog von Baden. Das ist schon eine bemerkenswerte Mischung: Kaiserzeit, Musikgenie, Humanismus, Diplomatie und Aristokratie wanderten hier durch Park, Salon und Speisesaal. Man kann sich das fast vorstellen: draußen Robertsauer Grün, innen Kerzenlicht, Gespräche über Europa, Musik, Macht, Krieg und Schönheit, während irgendwo ein Diener vermutlich versuchte, die nächste Kutsche korrekt zuzuordnen.
Die Stadt liegt seit jeher an einer historischen Scharnierstelle zwischen Frankreich und Deutschland, zwischen Rheinraum, Elsass, Kaiserreich, Republik, Kriegserfahrung und europäischer Versöhnung. Das Château de Pourtalès spiegelt diese größere Geschichte auf einer intimeren Ebene. Lange bevor in Straßburg europäische Institutionen tagten, gab es hier schon Räume, in denen sich europäische Eliten begegneten. Der Deutsch Französische Krieg von 1870 beschädigte das Schloss, später trafen auch die beiden Weltkriege das Anwesen schwer. Nach dem Tod Mélanies im Jahr 1914 ging das Château an ihre jüngste Tochter Agnès de Pourtalès. Der nächste große Schnitt kam 1972. Damals kaufte Dr.
Das alte Schloss bekam damit eine zweite Salonphase, nur diesmal nicht mit Kaiserin Eugénie, Franz Liszt und aristokratischer Kutschenlogistik, sondern mit Studierenden, Professoren, Seminaren, Sprachen, Politik und transatlantischen Programmen. Heute lebt diese Funktion über das European Study Center Strasbourg weiter, das mit CEPA verbunden ist. Er und seine Frau Ulrike Leibrecht übernahmen das Schloss 2007 und führten Renovierung sowie Ausbau weiter. Seit 2009 wurde das Ensemble zusätzlich stärker zum Hotel und Veranstaltungsort entwickelt. Damit entsteht eine neue Form von Schlossgesellschaft: nicht mehr Geburtsadel und Kaiserhof, sondern Bildungswelt, Diplomatie, Austauschprogramme, Politik, Kultur und internationale Begegnung.
Kurz gesagt: Das Château de Pourtalès hatte mindestens drei Leben. Erst war es ein elsässischer Adelssalon mit Mélanie de Pourtalès als strahlender Gastgeberin. Der Parc de Pourtalès ist nicht bloß Grünfläche, sondern ein Landschaftsraum mit Schloss, alten Wegen, Nebengebäuden, Kunstwerken und einer beinahe stillen Übergangsstimmung zwischen Stadt und Natur. Und plötzlich war man nicht mehr bloß im Château de Pourtalès angekommen, sondern in seiner Geschichte gelandet. Der Regen war nicht mehr nur Regen, sondern der nasse Regisseur dieses Albums. Und das neue Zimmer wurde zur stillen Belohnung eines Tages, der morgens am Weiher begann, über Burg und Münster führte und nun in einem historischen Schlosspark endete.
Für Album 6 ist das deshalb ein wunderbarer Übergang: vom öffentlichen Straßburg der Kathedrale und Gassen in das halb verborgene Straßburg der Robertsau, vom Stadtraum in den Parkraum, vom touristischen Blick in den Aufenthalt. Und während draußen das Gewitter über den alten Bäumen hängt, innen die Balken atmen und das kostenlose Upgrade noch ein wenig wie ein Geburtstagsgeschenk des Wetters wirkt, bekommt der Tag seine nächste Schicht. Denn Reisen werden selten durch das makellos Funktionierende lebendig. Durch alte Deckenbalken, die man nicht gebucht, sondern irgendwie vom Himmel bekommen hat. Und so steht dieses Château am Ende des Tages nicht nur als Unterkunft im Album, sondern als eine Art augenzwinkernder Beweis dafür, dass Geschichte manchmal sehr trocken beginnt, aber erst dann richtig gut wird, wenn es durch die Decke tropft. 🌧️🏰✨
1. Juni 2026 / Album 1 / Nachtwache Pourtalès
Der vierte Reisetag begann nicht mit einem Wecker, sondern fast mit einem kleinen inneren Glockenschlag. Um drei Uhr morgens, zu einer Zeit, in der selbst das alte Château de Pourtalès noch in einen tiefen, samtigen Schlaf gehüllt lag, begann wieder dieser ganz eigene Rhythmus, der unterwegs fast noch kostbarer wird als zu Hause. Zwischen drei und sechs Uhr war es fast wie eine selbst ernannte Nachtwache. Nicht militärisch natürlich, eher kontemplativ, eine Mischung aus Schlossgeist, Yogi und frühem Eifeler Außenposten im Elsass. Keine langen Ausführungen über Mélanie de Pourtalès, keine Salonkultur, keine europäischen Gäste, keine diplomatischen Schatten an den Wänden.
An diesem Morgen ging es weniger darum, was dieses Schloss einmal gewesen war, sondern darum, was es in der Stille wurde. Eine fast private Kapelle ohne Altar, aber mit Teppich, Licht, Atem und dieser leisen Gewissheit, dass man manchmal gar nicht viel braucht, um einen Ort tief zu erleben. Es war auch genau diese Abwesenheit von Betrieb, die den Zauber ausmachte. Keine Stimmen aus dem Frühstücksraum, kein Rollen von Koffern, kein höfliches Bonjour an der Rezeption, keine Touristenlogik, kein Programm. Nur ein Mensch, eine Yogamatte, ein altes Schloss und die Nacht.
Da konnte die Seele einmal ganz unauffällig die Schuhe ausziehen und sich hinsetzen. Und wenn irgendwo ein unsichtbarer Hausgeist vorbeigeschwebt sein sollte, dann vermutlich mit der sehr französischen Erkenntnis, dass dieser Gast zwar merkwürdig früh wach ist, aber immerhin das Ambiente zu würdigen weiß. 😊🌙 So entstand das erste Album des Tages nicht aus spektakulären Sehenswürdigkeiten, sondern aus einer fast inneren Architektur. Es zeigt keine laute Reisebewegung, sondern das Gegenteil: das Ankommen im stillen Kern des Morgens. Die Bilder dieses Albums tragen deshalb weniger den Charakter eines Ausflugs als den eines Zustands.
Schloss bei Nacht bedeutet hier nicht einfach dunkle Fassaden oder beleuchtete Räume. Es bedeutet, für einige Stunden in einer Welt zu sein, die noch nicht vom Tag berührt wurde.
1. Juni 2026 / Album 2 / Auenzauber Rheinauen
Nach dieser stillen Innenzeit öffnete sich der Morgen nach draußen. Der Weg führte durch die Parkanlage des Château und weiter hinaus in Richtung Rheinauen. Gerade diese Verbindung ist für das Château de Pourtalès besonders reizvoll. Das Schloss liegt nicht mitten im engen Stadtgefüge Straßburgs, sondern in diesem grünen Bereich am Rand, wo Parklandschaft, alte Bäume, offene Flächen und Auenräume ineinander übergehen. Die Rheinauen kamen eher zufällig als Geschenk dazu. Der Rhein selbst ist hier nicht nur ein Fluss, sondern eine große europäische Linie. Seit Jahrhunderten trennt und verbindet er Landschaften, Länder, Kulturen, Machtbereiche und Geschichten.
Für das Elsass ist der Rhein immer mehr gewesen als Wasser. Er war Grenze, Handelsweg, Schutzraum, Konfliktlinie und Verbindung zugleich. In der Nähe von Straßburg spürt man diese Bedeutung besonders, denn die Stadt ist seit jeher ein Ort zwischen Welten. Französisch und deutsch, römisch und mittelalterlich, europäisch und regional, Stadt und Natur, alles liegt hier erstaunlich dicht beieinander. Doch an diesem Morgen musste der Rhein gar nicht historisch aufgeladen werden. Es reichte, dass irgendwo hinter den Auen die Sonne aufging und die Landschaft in warmes Licht tauchte. Nach der stillen Yoga Zeit im Schloss wurde der Körper nun wach, die Kamera fand ihre Motive, und der Tag bekam Bewegung.
Besonders schön ist daran, dass diese Bilder wahrscheinlich weniger spektakulär im klassischen Sinne sind als eine Burg oder eine Altstadt. Aber sie tragen den echten Puls des Tages. Sie zeigen, wie Reisen nicht nur aus Sehenswürdigkeiten besteht, sondern aus Momenten, die zufällig entstehen, weil man früh genug wach ist, offen genug schaut und nicht nur von Ziel zu Ziel hetzt. Da wird selbst ein morgendlicher Lauf zur kleinen Pilgerstrecke, mit Laufschuhen statt Sandalen, Kamera statt Pilgerstab und vermutlich etwas mehr Smartphone Akku als im Mittelalter. 😊🌅🌿
1. Juni 2026 / Album 3 / Sonnenpourtalès
Nach Nacht, Innenraum, Yoga und Morgenlauf kam das Château noch einmal selbst zu seinem Recht. Das dritte Album widmet sich den äußeren Werten des Château de Pourtalès, also den Fassaden, Perspektiven, Winkeln, Türmen, Flächen und Panoramen, die bei blauem Himmel noch einmal ganz anders wirken als in der Nacht. Gerade beim Château de Pourtalès ist diese Rundum Betrachtung reizvoll, weil das Anwesen durch verschiedene Bauphasen geprägt ist und dadurch nicht wie ein streng symmetrischer Palast wirkt, sondern wie ein gewachsenes Ensemble. Beim Château de Pourtalès mischt sich diese repräsentative Seite mit einer fast privaten Eleganz.
Es ist kein riesiger Königspalast, der einen erschlagen will, sondern eher ein aristokratischer Landsitz, der von gesellschaftlicher Bedeutung, Bildung, Empfangskultur und gepflegtem Rückzug erzählt. Gerade deshalb passt dieses Album gut zwischen den stillen Morgen und die große Elsass Tour. Es hält noch einmal den Ausgangspunkt des Tages fest, bevor es hinausgeht auf die Route. Das Château war nicht nur Unterkunft, sondern die erste eigene Landschaft des Morgens. Erst innen in der Stille, dann außen im Licht. Erst als Raum der Sammlung, dann als Objekt des fotografischen Blicks. Man könnte fast sagen, zuerst wurden die inneren Räume betreten, dann die äußere Erscheinung gewürdigt.
Die Bilder von allen Winkeln, mit blauem Himmel und weitem Blick, geben dem Schloss etwas Festliches. Nicht im Sinne von großem Prunk, sondern eher im Sinne von Dankbarkeit. Ein Ort, an dem man aufwacht, meditiert, läuft, fotografiert und dann in den Reisetag aufbricht, wird schnell mehr als eine Station. Es verabschiedet den Tag.
1. Juni 2026 / Album 4 / Obernai
Nach dem Schlossmorgen führte der erste größere Halt des Tages nach Obernai. Obernai liegt am Fuß der Vogesen und gehört zu den bekanntesten Orten an der Elsässer Weinstraße. Die Stadt hat rund 12.000 Einwohner und besitzt einen historischen Kern, der bis heute erstaunlich geschlossen wirkt. Ursprünglich wurde er mit dem Namen Ehenheim verbunden, später entwickelte sich daraus Obernai. Die Stadt stand zeitweise unter dem Einfluss der Staufer und entwickelte sich zur freien Reichsstadt im Heiligen Römischen Reich. Dieser Status war im Mittelalter von großer Bedeutung, denn eine Reichsstadt unterstand direkt dem Kaiser und nicht einfach einem regionalen Fürsten.
Noch heute spürt man in Obernai etwas von diesem alten städtischen Selbstbewusstsein. Im Jahr 1354 wurde Obernai Teil der elsässischen Décapole, des Zehnstädtebundes. Dieser Bund vereinte zehn freie Reichsstädte im Elsass, darunter unter anderem Colmar, Kaysersberg, Rosheim, Sélestat und Wissembourg. Obernai war also nicht irgendein hübscher Weinort, sondern Teil eines wichtigen städtischen Netzwerks. Er wirkt wie ein steinerner Zeigefinger der Geschichte, allerdings deutlich eleganter als die meisten Zeigefinger in Behördenakten. 😊 Obernai ist auch eng mit dem Weinbau verbunden. In Obernai begegnet man dieser Weintradition nicht nur in Flaschen, sondern in der ganzen Stadtgestalt.
Für den Tagesbericht bildet Obernai eine Art Tor. Einmal durch die Altstadt, Fotos, Eindrücke sammeln, die historischen Linien aufnehmen und dann weiter in Richtung Odilienberg. Obernai war damit der erste öffentliche Bühnenraum des Tages, nach dem privaten, stillen Schlossmorgen. Ein lebendiger Wechsel, wie wenn nach einem meditativen Präludium plötzlich die elsässische Dorfkapelle einsetzt, natürlich mit Fachwerk im Takt und einem Weinfass als heimlichem Dirigenten. 🍷🏘☀️
1. Juni 2026 / Album 5 / Klostermystik Odilienberg
Nach Obernai führte die Route hinauf zum Odilienberg, einem der spirituell bedeutendsten Orte des Elsass. Der Mont Sainte Odile liegt auf etwa 760 Metern Höhe und erhebt sich wie ein heiliger Balkon über der Rheinebene. Das fünfte Album widmet sich den inneren Werten des Odilienbergs. Mittelpunkt ist die heilige Odilia, die Schutzpatronin des Elsass. Um das Jahr 690 wird die Gründung des Frauenklosters mit Odilia verbunden. Auf dem Odilienberg verdichtete sich all das zusätzlich durch die besondere Lage, die Legende und den Pilgerstrom. Nach dem frühen Yoga im Schloss und dem Morgenlauf in die Rheinauen war der Odilienberg kein isolierter Programmpunkt, sondern eine Fortsetzung des Tagesmotivs.
Aus dem privaten Innenraum des Château wurde der öffentliche geistige Innenraum eines alten Wallfahrtsortes. Aus der eigenen Nachtwache wurde ein Ort, an dem seit über tausend Jahren Menschen ihre innere Nacht und ihr inneres Licht mit hinauftragen. Auch wenn man sie historisch nicht wie eine moderne Aktennotiz behandeln kann, besitzt sie eine tiefe symbolische Kraft. Blindheit, Taufe, Sehen, Verstoßung, Rückkehr und Gründung eines Klosters, all das sind Bilder für Wandlung. Der Ort erzählt also nicht nur von einer Heiligen, sondern auch davon, dass Erkenntnis oft aus Verwundung entsteht. Unten liegen die Weinorte, oben der Berg, und dazwischen der Weg des Aufstiegs.
Fast zu schön, um es nicht symbolisch zu lesen. Der innere Verwaltungsprüfer würde vermutlich sagen: metaphorisch auffällig, aber genehmigungsfähig. 😊🙏🌿 Dieses Album zeigt den Odilienberg deshalb als Seelenraum. Die inneren Werte liegen in den Kapellen, in der Legende, in der Stille, in der Pilgertradition und in dem Gefühl, dass dieser Ort eine andere Frequenz hat als die touristischen Stationen unten im Tal. Hier zählt weniger, wie viele Fotos entstehen, sondern was zwischen den Fotos geschieht.
1. Juni 2026 / Album 6 / Panoramen Odilienberg
Das sechste Album öffnet den Blick nach außen. Wer den Odilienberg nur innen betrachtet, verpasst die Hälfte seiner Kraft. Rund um den Odilienberg verläuft die berühmte Heidenmauer, eine der rätselhaftesten archäologischen Anlagen des Elsass. Sie zeigen einen Ort, der durch seine Topografie fast zwangsläufig Bedeutung erzeugt. Wer hier oben steht, versteht sofort, warum Menschen ihn über Jahrhunderte nicht einfach als normalen Berg behandelt haben. Der Blick in die Ferne wirkt dabei wie ein Gegenstück zu den inneren Räumen. Innen Stein und Stille, außen Wind und Panorama. Zusammen entsteht eine Balance, die den Odilienberg so besonders macht.
Man kann dort beten, staunen, fotografieren, schweigen oder einfach auf die Ebene schauen und sich denken, dass die Welt von oben manchmal deutlich geordneter wirkt als unten zwischen Kreisverkehren, Baustellen und touristischen Parkplatzentscheidungen. 😊🌄 Außenansichten, Mauern, Terrassen, Felsen, Wald, Klosterfassaden und Fernblicke liefern ein Album, das den Odilienberg als Landschaftsort zeigt. Wo Album 5 die geistige Mitte sucht, zeigt Album 6 den großen Atem des Ortes. Die Verbindung von Berg, Kloster, Heidenmauer und Weitblick macht deutlich, warum dieser Ort als spirituelles Zentrum des Elsass wahrgenommen wird. Nach etwa 90 Minuten war der Odilienberg damit nicht erschöpft, aber gut gewürdigt.
Und genau dadurch wurde er zu einem der beiden großen Höhepunkte des Tages.
1. Juni 2026 / Album 7 / Weinstraßen Route
Nach dem Odilienberg begann der Roadtrip durch die elsässischen Weinorte. Barr, Mittelbergheim, Andlau und Villé bilden zusammen eine kleine Perlenkette am Rand der Vogesen, wobei Villé bewusst aus der klassischen Linie herausführt und dadurch eine ganz eigene Bedeutung bekommt. Barr war der erste Ort auf dieser Strecke. Barr wurde zu einem regionalen Zentrum des Weinhandels und bezeichnet sich bis heute gern als Weinhauptstadt des Elsass. Von Barr ging es weiter durch Mittelbergheim, einen der schönsten Orte Frankreichs. Mittelbergheim unterscheidet sich deutlich von vielen anderen elsässischen Fachwerkdörfern. Andlau brachte dann wieder stärkere historische Tiefe hinein.
Der Ort ist eng mit Kaiserin Richardis verbunden, der Gemahlin Kaiser Karls III. Im Jahr 880 soll sie hier eine Abtei gegründet haben. Bis heute begegnet man in Andlau deshalb dem Bärenmotiv. Andlau verbindet also Weinort, Reichsgeschichte, Klostertradition und Legende auf engem Raum. Dann kam Villé, und hier änderte sich die Bedeutung des Albums. Touristisch ist Villé nicht so glänzend wie Obernai, nicht so bekannt wie Riquewihr, nicht so historisch aufgeladen wie Andlau und nicht so klassisch weinstraßentypisch wie Barr. Villé liegt etwas abseits im Tal, stärker in Richtung Vogesenhinterland.
Der Umweg führte nicht dorthin, weil Villé objektiv der größte Höhepunkt der Region wäre, sondern weil dort eine Kindheitsspur lag. Man fährt nicht nur in einen Ort, sondern in eine Erinnerung. Vieles ist anders, manches vielleicht kaum wiederzuerkennen, und doch liegt über allem dieses leise Gefühl, dass die Zeit nicht linear ist, sondern manchmal Kreise zieht. Villé wurde dadurch zum emotionalen Seitenweg des Tages. Während Barr, Mittelbergheim und Andlau die große elsässische Weinlandschaft erzählen, erzählt Villé vom eigenen Lebensbogen. Von Kindheit, Wiedersehen, Erinnerung und dem merkwürdigen Gefühl, dass ein Ort aus der frühen Vergangenheit plötzlich wieder vor einem steht.
Vielleicht erinnert man sich nicht mehr konkret an jedes Detail, aber der Körper weiß oft mehr als der Kopf. Damit bekam Album 7 eine schöne doppelte Struktur. Außen ist es ein Elsass Roadtrip durch Weinorte und Vogesenrand. Es verbindet Regionalgeschichte mit persönlicher Geschichte, Weinbau mit Kindheit, Fachwerk mit Erinnerung. Genau dadurch wird es mehr als ein reines Ortsalbum. Es ist das bewegte Mittelstück des Tages, zwischen Odilienberg und Hochkönigsburg, zwischen spirituellem Berg und großer Burgkulisse.
1. Juni 2026 / Album 8 / Hohkönigsburg
Der zweite große Höhepunkt des Tages war die Hochkönigsburg. Nach Schlossmorgen, Obernai, Odilienberg und Weinorten führte die Route nun zu jener Burg, die wie kaum ein anderes Bauwerk das mittelalterliche Elsass im kollektiven Bildgedächtnis verkörpert. Sie liegt auf einem Felsrücken in über 700 Metern Höhe oberhalb der Rheinebene und beherrscht die Landschaft mit einer Wucht, die schon bei der Anfahrt spürbar wird. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie 1633 von schwedischen Truppen eingenommen und schwer beschädigt. Die heutige Erscheinung der Hochkönigsburg verdankt sich vor allem der Restaurierung unter Kaiser Wilhelm II.
Die Stadt Sélestat schenkte die Ruine 1899 dem deutschen Kaiser, denn das Elsass gehörte seit 1871 zum Deutschen Reich. Zwischen 1900 und 1908 wurde die Burg unter Leitung des Architekten Bodo Ebhardt umfassend wiederaufgebaut. Die Hochkönigsburg ist mittelalterliche Anlage, romantisches Geschichtsbild, kaiserliches Prestigeprojekt und heutige Touristenattraktion zugleich. Nach den stillen und geistigen Eindrücken des Odilienbergs hatte die Hochkönigsburg eine ganz andere Energie. Der Odilienberg sammelt den Blick nach innen und öffnet ihn dann in die Weite. Die Hochkönigsburg bündelt Macht, Stein, Verteidigung und Aussicht. Der eine von Odilia, der andere von Rittern, Kaisern und Baupolitik mit sehr viel Sandstein.
Gerade als Tagesabschluss der Besichtigungen war die Hochkönigsburg ideal. Nach den Weinorten, nach Villé und der Kindheitserinnerung, nach der Fahrt durch das Tal, stand nun noch einmal ein monumentaler Ort auf dem Programm. 90 Minuten reichen, um die Burg intensiv aufzunehmen, durch die wichtigsten Bereiche zu gehen, die Ausblicke zu genießen und die historische Schichtung zu spüren. Man verlässt sie nicht mit dem Gefühl, alles bis ins letzte Detail ausgeschöpft zu haben, aber mit dem Gefühl, den großen Charakter des Ortes verstanden zu haben. Und natürlich ist es auch einfach eine Burg, wie man sie sich als Kind erträumt.
Da darf der innere Vierjährige aus Villé gleich noch einmal mitkommen und sagen: Ja, genau so muss eine Burg aussehen. Manchmal ist Geschichte eben auch dann gut, wenn sie ein bisschen aussieht wie die Premiumausgabe eines Ritterbuches. 😊🏰
1. Juni 2026 / Album 9 / Lost Elsass
Nach der Hochkönigsburg war der Tag im Grunde vollständig erzählt. Was noch fehlt...die Lost Places des Tages, Vergänglichkeit in Bildern sichtbar.
2. Juni 2026 / Album 1 / Des Kaisers Couch
Der letzte Morgen im Château de Pourtalès begann nicht mit einem gewöhnlichen Hotelfrühstück, nicht mit klappernden Tellern, Koffern auf Rollen und verschlafenen Gästen auf dem Weg zur Kaffeemaschine, sondern viel früher, beinahe außerhalb der normalen Zeit. Oder zumindest so lange, bis man merkt, dass man morgens um drei Uhr allein ist und sowieso niemand da ist, der sich über zu viel Eifel-Präsenz beschweren könnte. 😊🏰✨ Vor nicht einmal allzu langer historischer Zeit flanierten hier Kaiser, Könige, Diplomaten, Musiker, Denker und Vertreter jener europäischen Elite durch die Räume, die damals noch glaubte, Geschichte sei eine Art exklusiver Salon mit Kronleuchtern.
Napoleon III., Kaiser Wilhelm II., König Ludwig II., König Leopold II., Franz Liszt, Albert Schweitzer und zahlreiche Diplomaten gehörten zu jener Welt, die mit diesem Schloss verbunden wurde. Die schillernde Comtesse Mélanie de Pourtalès empfing in diesen Räumen die feine Gesellschaft ihrer Zeit. Heute sitzt morgens um drei Uhr ein Verwaltungsangestellter von Straßen.NRW aus der Eifel in denselben Räumen. Dafür mit innerer Freiheit und vermutlich deutlich besserer Laune als mancher Adlige mit zu engem Kragen. 😄☕🌿 Die Kaiser sind weg, die Grafen sind weg, die Hofgesellschaft ist weg, die großen Titel sind Staub geworden, aber der Mensch sitzt noch immer da und schaut.
Nicht mehr als Teil eines höfischen Spiels, sondern als staunender Besucher, Fotograf, Blogger, Reisender, Eifeler Chronist des Absurden und Schönen. Man sitzt nicht ehrfürchtig erstarrt im Museum, sondern lebendig in einem Raum, in dem früher vielleicht ein Kaiser über Europa nachdachte, während heute jemand über Pizza, Blogtexte und die Vergänglichkeit der Welt nachdenkt. Das hätte selbst Napoleon III. vermutlich nicht kommen sehen. Sie räumt erst die Monarchien ab, lässt zwei Weltkriege, Besitzwechsel, Verfall, Wiederaufbau und moderne Hotellogistik über ein Schloss laufen und am Ende sitzt da ein Mann aus der Eifel mit hochgelegten Füßen auf dem Sofa.
Wenn das kein metaphysischer Seitenhieb des Universums ist, dann weiß Samsara auch nicht mehr, wie es sich noch bemerkbar machen soll. 😊✨ Nach Mélanies Tod 1914 beginnt gewissermaßen die zweite Staffel des Château de Pourtalès. Mélanie stirbt kurz bevor Europa den eigenen Kronleuchter von der Decke reißt. Ein Schloss, das einst Napoleon III., Wilhelm II., Ludwig II., Metternich, Franz Liszt und andere europäische Hochkaräter gesehen hatte, steht plötzlich ziemlich verlassen herum. Erst kommen die Kaiser, dann kommt die Heizrechnung. Die Stadt Straßburg übernahm den Park, das Schloss selbst gammelte vor sich hin, bis schließlich 1972 Walter Leibrecht auftauchte, Gründer der Schiller International University.
Früher kamen Kaiser mit Orden, später Studenten mit Koffern, Akzenten und vermutlich reichlich jugendlicher Unordnung. Früher schmückte man sich mit Kaisern, heute mit Präsidenten, Netzwerken und internationalem Austausch. So wurde dieser letzte Morgen im Château de Pourtalès zu einem kleinen philosophischen Schlussakkord. Man hatte sich durch Räume bewegt, in denen Albert Schweitzer gewesen war, in denen kaiserliche und diplomatische Luft gehangen hatte, und trotzdem war das Ganze nicht museal steif, sondern merkwürdig lebendig. Nicht mehr nur Kaiser und Grafen, sondern Menschen, die mit Kamera, Kaffee, Müdigkeit, Neugier und innerem Staunen kommen.
Danke an die Räume, danke an die Geschichten, danke an diese wunderbare historische Verwirrung, in der ein Eifeler Frühaufsteher plötzlich Teil der Schlosschronik wird. Und irgendwo im alten Schloss dürfte der Kronleuchter leise aufgeatmet haben: endlich einmal normale Leute. 😄🏰☕✨
2. Juni 2026 / Album 2 / Riquewihrer Farben
Nach dem Abschied vom Château de Pourtalès öffnete sich der Tag wie ein neues Kapitel, und dieses Kapitel trug Fachwerk, Kopfsteinpflaster und Weinbergduft. Riquewihr war der nächste große Auftritt, einer dieser elsässischen Orte, bei denen man sich zunächst fragt, ob wirklich ein Dorf betreten wird oder ob ein Bühnenbildner mit sehr viel Liebe zum Detail ein mittelalterliches Märchen für Erwachsene aufgebaut hat. Man geht hinein und steht mitten im Bild. Riquewihr ist auf gefährliche Weise schön: Hauswände im Morgenlicht, Kopfsteinpflaster, Weinbergduft und Fachwerk, das keine Zurückhaltung kennt. 😊🏘️🌿
Die Farben sind dabei nicht laut im billigen Sinn, sondern lebendig. Im Vergleich zur Eifel, wo Fachwerk oft brav weiß ausgefacht ist und aussieht, als hätte die Baukultur morgens um acht Uhr einen Antrag auf Zurückhaltung gestellt, wirkt das Elsass fast wie ein fröhlicher Farbkasten, der beschlossen hat, dass Häuser auch Laune haben dürfen. Riquewihr liegt eingebettet in eine Landschaft, die selbst schon wie eine historische Bühne wirkt. Ohne Wein hätte Europa wahrscheinlich ohnehin deutlich weniger Geschichte geschrieben, oder zumindest schlechter gelaunt. 🍇😊 Es gibt Läden, Souvenirs, Besuchergruppen, Schilder, kulinarische Verlockungen und diese besondere Atmosphäre, in der man manchmal nicht weiß, ob man Geschichte betrachtet oder ob Geschichte inzwischen gelernt hat, sich selbst gut zu vermarkten.
Aber gerade im Elsass funktioniert das erstaunlich oft, weil die Kulisse nicht künstlich wirkt. Sie ist gepflegt, herausgeputzt, teilweise vielleicht sehr bewusst inszeniert, aber sie hat Substanz. Er hat nur gelernt, mit seiner Schönheit umzugehen. Und so entsteht diese seltsame Mischung aus echtem Mittelalter, romantischem Reisefieber und moderner Besucherfreude. Man kann das kritisch sehen, aber man kann auch sagen: Lieber ein Ort, der seine Geschichte sichtbar pflegt, als einer, der sie unter Zweckbau, Asphalt und traurigen Blumenkübeln begräbt. Riquewihr macht aus seiner Vergangenheit eine Bühne, aber immerhin eine schöne. Und manchmal darf eine Bühne auch einfach schön sein.
Nicht alles muss aussehen wie ein nüchterner Sitzungssaal mit Aktenzeichen. 😊📖 Für den Reisebericht ist Riquewihr deshalb ein wunderbares zweites Album, weil es nach dem Schlossabschied eine ganz andere Form von Geschichte zeigt. Pourtalès war Salon, Adel, europäische Macht, Bildung und spätere Umnutzung. Riquewihr ist Bürgerlichkeit, Wein, Dorf, Farbe, Handwerk und gewachsene Alltagskultur. Die großen europäischen Linien verlaufen nicht nur durch Schlösser, sondern auch durch solche Orte. Durch Tore, durch die Händler, Soldaten, Bauern, Geistliche, Touristen und irgendwann ein Eifeler Fotograf mit Kamera spazierten. Wieder diese schöne Pointe der Geschichte: Man kommt als heutiger Mensch mit Smartphone und Kamera in eine Kulisse, die jahrhundertelang gewachsen ist, und wird für einen Vormittag Teil ihres Stroms.
Genau das ist vielleicht die Kunst des Reisens. Man nimmt nichts mit außer Bilder, Eindrücke und ein paar innere Funken. Und Riquewihr lieferte Funken in ganzen Körben. ✨📸🌿
2. Juni 2026 / Album 3 / Kaysersberger Katze
Nach Riquewihr führte der Weg weiter nach Kaysersberg, und obwohl beide Orte im selben elsässischen Bilderbuch wohnen könnten, hat Kaysersberg eine andere Seele. Riquewihr wirkt wie ein geschlossenes Schmuckkästchen, dicht, farbig, fast märchenhaft kompakt. Schon der Name trägt dieses alte Echo von Kaiser, Reich und Geschichte in sich. Kaysersberg klingt nicht nach kleinem Spaziergang, sondern nach Urkunde, Siegel, Grenzland und irgendeinem mittelalterlichen Herrn, der mit sehr ernstem Gesicht über Zollrechte nachdenkt. Zum Glück muss man heute nur noch fotografieren und nicht mehr dem Burgherrn erklären, warum man schon wieder 300 Bilder von Fachwerk gemacht hat. 😄🏰📸
Der besondere Zauber von Kaysersberg liegt in dieser Verbindung aus Stadtbild, Wasser und Höhe. Kaysersberg hat diese angenehme Eigenschaft, sich immer wieder neu zu rahmen. Sehr solide Arbeit, liebes Mittelalter, dafür gibt es ein fotografisches Sternchen. 😊✨ Eine wichtige Schicht dieses Ortes ist natürlich Albert Schweitzer. In Kaysersberg geboren, später Arzt, Theologe, Musiker, Philosoph und Humanist, wurde er zu einer jener Gestalten, die weit über ihre Herkunft hinauswirkten. Schweitzers berühmter Gedanke der Ehrfurcht vor dem Leben passt erstaunlich gut in diese Landschaft. Vielleicht, weil Kaysersberg selbst so deutlich zeigt, dass Leben immer Zusammenhang ist.
Es ist nicht nur Schweitzer, nicht nur Denkmal, nicht nur Geschichte. Es ist auch ein lebendiger Ort mit Gassen, Cafés, Läden, Touristen, Schattenplätzen, alten Mauern und jenem typischen Elsass-Gefühl, das irgendwo zwischen Weinprobe, Kirchturm und Sommerlicht liegt. Kaysersberg trägt diese Vielschichtigkeit in sich, ohne daraus ein trockenes Seminar zu machen. Nur ein Ort, der spricht, wenn man langsam genug geht. 😊📖 Für den Tagesverlauf war Kaysersberg ein schöner dritter Schritt. Nach dem adeligen Pourtalès und dem märchenhaften Riquewihr kam hier eine stärkere Verbindung von Ort und Mensch hinzu. Albert Schweitzer gab dem Album eine gedankliche Tiefe.
In einer Zeit, in der Europa sich mehrfach selbst zerriss, ist das nicht wenig. Vielleicht entsteht gerade aus Grenzräumen manchmal ein weiterer Blick. Wer zwischen Kulturen aufwächst, versteht eher, dass Identität nicht Mauern bauen muss. Und wer Musik, Theologie, Medizin und Philosophie verbindet, denkt vielleicht ohnehin nicht in engen Schubladen. Schweitzer war gewissermaßen ein Mensch, der mehrere innere Räume zugleich bewohnte. Und Kaysersberg wirkt wie ein äußerer Spiegel davon. Am Ende bleibt von Kaysersberg nicht nur ein Album voller Fachwerkbilder, sondern ein Gefühl von Verbindung. Die Brücke über die Weiss wird fast zum Symbol.
Man kommt als Besucher, fotografiert die Gassen, schaut zur Burg hinauf, nimmt vielleicht noch ein paar Details an Fenstern, Schildern und Fassaden mit, aber innerlich bleibt etwas anderes hängen: dass Orte Menschen formen und Menschen Orte weitertragen. Kaysersberg war nicht nur Kulisse, sondern Herkunftsort eines Denkens, das über den Ort hinausging. Denn auch große Gedanken müssen nicht immer mit schwerem Gesicht daherkommen. Man kann über Ehrfurcht vor dem Leben nachdenken und gleichzeitig feststellen, dass elsässische Fachwerkhäuser einfach eine unfaire fotogene Überlegenheit besitzen. Vielleicht beginnt Ehrfurcht ja genau dort: beim genauen Schauen, beim Staunen, beim Nicht-Vorbeirennen.
2. Juni 2026 / Album 4 / James Storchen Spa
Nach Schloss, Fachwerk und Schweitzer kam dann der große dramaturgische Umschwung des Tages. Irgendwann meldet sich der Körper in erstaunlich klarer Sprache und wünscht warmes Wasser. Und genau da begann Album Nummer vier. Die Ankunft im James Hotel erfolgte viel früher als sonst, schon mittags, was sich fast luxuriös anfühlte. Selbst Indiana Jones hätte nach drei elsässischen Fachwerkorten vermutlich den Bademantel der Peitsche vorgezogen. 😄🛁✨ Das James Hotel wurde damit nicht nur Unterkunft, sondern Übergangsraum. Aus der geschichtsgesättigten Welt von Pourtalès, Riquewihr und Kaysersberg führte der Weg in eine ganz andere Qualität.
Das ist kein Spa-Besuch mehr, das ist eine kleine temporäre Privattherme. 😊🌿 Man muss sich das wirklich vorstellen: Am Vormittag noch Kaysersberg, Albert Schweitzer, Fachwerk, Brücken und Geschichte, und wenige Stunden später sitzt man im warmen Wasser, schaut hinaus und sieht einen Storch über den Weinbergen fliegen. Das Château de Pourtalès, die Morgenräume, Riquewihr mit seinen Farben, Kaysersberg mit Schweitzer und Fluss, all das war noch da, aber nicht mehr als Aufgabe. Auch das Dhamma ist flexibel, solange man nicht am Sprudel anhaftet. 😄☸️ Es ist außerdem sehr schön, dass Album 4 einen anderen Ton in den Tagesbericht bringt.
Erst die feierliche Ouvertüre im Château, dann das farbige Allegro in Riquewihr, dann der nachdenkliche Satz in Kaysersberg, und schließlich das entspannte Finale im Spa, mit Whirlpool-Basslinie und Storchen-Solo am Himmel. Franz Liszt hätte vielleicht noch eine kleine dramatische Kadenz eingebaut, aber für den Reisebericht reicht der fliegende Storch völlig. 😊🎶✨ Und genau diese Stille nach einem intensiven Reisetag ist Gold wert. Sie macht aus dem Hotelaufenthalt mehr als bloße Übernachtung. Das James Hotel wurde damit zu einer Art sanfter Gegenwelt zur touristischen Bewegung. Draußen Weinberge und Storchenflug, drinnen Wasser und Wärme, dazwischen ein Mensch, der nach Tagen voller Eindrücke endlich einmal nicht suchen muss.
Genau das ist oft der Punkt, an dem eine Reise am tiefsten wird. Nicht im nächsten Programmpunkt, sondern in der Lücke dazwischen. 🌿🙏 Und natürlich bleibt auch hier der Humor nicht aus. Denn wenn man den Tag als Ganzes betrachtet, ist diese Abfolge schon herrlich absurd. Morgens sitzt man gedanklich noch zwischen Napoleon III., Kaiser Wilhelm II., Mélanie de Pourtalès, Albert Schweitzer und Walter Leibrecht. Dann marschiert man durch elsässische Bilderbuchorte, besucht den Geburtsort eines großen Humanisten, sammelt Fachwerk, Brücken und Geschichte ein, und mittags liegt man plötzlich im Whirlpool und schaut einem Storch beim Fliegen zu.
Früher mussten Kaiser dafür Kutschen, Diener und Hofstaat organisieren. Heute reichen Hotelbuchung, 20 Euro Spa-Zugang und ein halbwegs wacher Blick für die Schönheit des Moments. So wird Album 4 zu einem wichtigen Ruhepunkt des gesamten Tages. Es zeigt nicht nur das Hotel und den Spa-Bereich, sondern die Kunst, rechtzeitig loszulassen. Nach all dem Sehen und Staunen war nicht noch mehr nötig. Und vielleicht war gerade das der heilsamste Moment: nicht weiterziehen, sondern bleiben. Nicht noch ein Motiv jagen, sondern den Storch fliegen lassen. Nicht noch ein historisches Detail ausgraben, sondern im warmen Wasser sitzen und merken, dass alles schon genug ist.
Die Welt ist voller Wunder, aber man muss nicht jedes Wunder sofort in ein weiteres Album verwandeln. Manchmal reicht es, im Whirlpool zu sitzen und zu denken: Ja. Genau so. 😊🌿✨
3. Juni 2026 / Album 1 / Clouds of Colmar
Der sechste Elsass-Tag beginnt wieder zu einer Uhrzeit, in der normale Urlauber noch tief in ihren Hotelkissen versunken liegen und höchstens im Traum eine Weinberglandschaft betreten. Im James Vignoble Hotel in Eguisheim war dieser frühe Morgen deshalb fast schon wieder ein kleines Geschenk des Reisegottes, der offenbar irgendwo zwischen Vogesen, Dhamma und Kaffeemaschine seinen Verwaltungssitz hat. 😊☕ Außen Weinberge, innen Wellnesshotel, dazwischen ein Eifeler Frühaufsteher mit Tee und Yogamatte. Das James liegt wunderbar am Rand von Eguisheim, modern, ruhig und direkt in dieser Landschaft, in der die Weinberge morgens aussehen, als wären sie nicht einfach landwirtschaftliche Fläche, sondern sauber gezogene Zeilen in einem alten Gebetbuch.
Für 100 Euro pro Nacht ein großes Deluxe-Zimmer in einem Vier-Sterne-Hotel, dazu die Möglichkeit, für 20 Euro pro Person den Spa zu nutzen, das wirkt hier wirklich wie ein kleiner Preis-Leistungs-Zaubertrick. Das Frühstück für 20 Euro pro Person ist natürlich französisch selbstbewusst kalkuliert, aber da Eguisheim nur wenige Minuten entfernt liegt, ruft morgens ohnehin die Patisserie. Erst lag alles noch dunkel über den Reben, dann lösten sich über der Ebene und in Richtung Colmar die ersten Wolkenformen heraus. Mal sahen sie aus wie schwebende Berge, mal wie große Tiere, mal wie die weichen Ränder eines Traums, der noch nicht ganz entschieden hatte, ob er Nacht bleiben oder Tag werden will.
So wurde aus der James Nachtwache und den Clouds of Colmar ein gemeinsamer Auftakt. Das Hotel war der geschützte Innenraum, die Weinberge waren der äußere Tempel, und der Himmel über Colmar schrieb dazu die erste Seite des Tages. Sie sind wie der erste Schluck Tee: unscheinbar, warm und doch der Beginn von allem. 🌥️🍇🙏
3. Juni 2026 / Album 2 / Lost Eguisheim
Wenn man Eguisheim am Tag erlebt, versteht man sofort, warum dieser Ort zu den berühmten Bilderbuchdörfern des Elsass gehört. Wenn man Eguisheim aber am frühen Morgen erlebt, bevor die ersten Besucher durch die Gassen ziehen, bevor die Cafés ihre Stühle sortieren und bevor die Souvenirläden ihre kleinen Elsass-Verführungen in die Welt stellen, dann sieht man etwas anderes. Er dauert nicht lange, aber er reicht aus, um ein ganz anderes Eguisheim kennenzulernen. 🏡✨ Die Gassen lagen fast menschenleer da, und das ist bei einem Ort wie Eguisheim schon beinahe ein Wunder.
Die berühmte Struktur des Ortes, diese fast kreisförmige Anlage um den historischen Kern, macht Eguisheim ohnehin besonders. Wo andere Regionen sagen, das reicht jetzt, stellt Eguisheim noch einen Brunnen hin und lässt einen Storch darüberfliegen. Lost Eguisheim meint also nicht ein verlorenes Eguisheim, sondern eher ein wiedergefundenes. Ein Eguisheim ohne Gedränge, ohne Geräuschkulisse, ohne die kleine Unruhe, die sich in touristischen Orten oft über die Dinge legt. Man spürte in diesen Gassen auch, warum Eguisheim nicht nur hübsch, sondern räumlich so einprägsam ist. Man geht wenige Schritte und landet schon wieder in einem anderen kleinen Bild.
Eine Gasse mit Kopfsteinpflaster, ein farbiges Haus, ein Wappen, ein alter Torbogen, eine Blume, die sich aus einer Ecke beugt. Und weil fast keine Menschen unterwegs waren, konnte man das alles aufnehmen, ohne ständig ausweichen zu müssen. Das ist im Elsass ungefähr so selten wie ein Parkplatz direkt vor einem perfekten Fotomotiv. So wurde dieses Album ein stiller Spaziergang durch ein Dorf, das noch nicht ganz wach war. Lost Eguisheim war wie ein morgendlicher Blick hinter den Vorhang. Und vielleicht sind genau das die besten Reisemomente: wenn ein berühmter Ort für kurze Zeit wieder einfach Ort sein darf. 🌿🏡😊
3. Juni 2026 / Album 3 / Storchenparadies
Nach der stillen, menschenleeren Morgenrunde kam mit dem Sonnenlicht auch die große gefiederte Hauptbesetzung auf die Bühne: die Störche von Eguisheim. Wer diesen Ort nur aus Reiseführern kennt, könnte denken, die vielen Störche seien eine liebevolle Übertreibung des Tourismusmarketings. Aber in Eguisheim ist es mit den Störchen tatsächlich anders. Hier hat man eher das Gefühl, der Mensch sei nur geduldeter Gast in einer bereits vollständig organisierten Storchenrepublik. 🦩☀️ Unten die Menschen mit Kameras, oben die Störche mit dem Überblick. Lebensraumverlust, Veränderungen in der Landwirtschaft, Gefahren auf den Zugwegen und andere Einflüsse hatten dazu geführt, dass der Weißstorch im Elsass fast verschwunden war.
Danach begann man mit Schutzmaßnahmen und Wiederansiedlungsprogrammen, etwa durch Storchenparks und gezielte Aufzucht. Heute ist der Weißstorch wieder eines der großen Symbole der Region. Wer durch Eguisheim geht, sieht also nicht nur ein hübsches Fotomotiv, sondern auch ein Stück gelungener Naturschutzgeschichte. Im Sonnenschein wurden die Störche dann endgültig zu den Stars des Dorfes. Manche Nester sehen aus, als hätte jemand einen ganzen Reisighaufen mit päpstlicher Genehmigung auf einem Kamin abgeladen. Man fragt sich unwillkürlich, wie so ein Dach das alles trägt und ob die Hausbesitzer irgendwann einfach kapituliert haben. Aber wahrscheinlich ist es im Elsass Ehrensache, einen Storch auf dem Dach zu haben.
Andere Leute haben Satellitenschüsseln, hier hat man lebendige Glücksbringer mit Klapperfunktion. Dieses Album wurde deshalb nicht nur ein Spaziergang durch Eguisheim, sondern ein Gang durch ein Dorf, in dem Natur und Kultur auf wunderbare Weise miteinander verwoben sind. Sonne auf Fachwerk, Blumen in den Gassen, Störche über den Dächern, und dazu dieses Gefühl, dass eine bedrohte Schönheit zurückkehren kann, wenn Menschen sich kümmern. Das ist heiter, rührend und fast ein bisschen karmisch. Man schützt das Leben, und irgendwann klappert es einem vom Dach entgegen. 😊🦩🍇
3. Juni 2026 / Album 4 / Mystisches Eguisheim
Im Zentrum von Eguisheim verändert sich die Stimmung. Eben noch standen Störche, Gassen, Sonnenlicht und Fachwerk im Vordergrund, doch rund um die Kirche und die Sankt-Leo-Kapelle wird der Ort dichter, historischer und stiller. Hier merkt man, dass Eguisheim nicht nur ein hübsches Weindorf ist, sondern auch ein Ort mit einer tiefen mittelalterlichen Schicht. Der große Name dieses Bereichs ist Papst Leo IX., der als Bruno von Egisheim-Dagsburg im Jahr 1002 geboren wurde und von 1049 bis 1054 Papst war. Vom stillen Eguisheim auf den päpstlichen Stuhl nach Rom: Das ist ungefähr die mittelalterliche Version von Dorfkind wird Weltstar, nur mit Tiara statt Sonnenbrille.
Die Sankt-Leo-Kapelle steht an einem besonders symbolischen Ort, nämlich dort, wo einst der Bergfried der alten Burganlage lag. Sie wurde im 19. Jahrhundert im neuromanischen Stil errichtet und Leo IX. gewidmet. Da wächst irgendwo im Elsass ein Bruno auf, wird später Papst Leo IX., zieht durch Europa, prägt Kirchenpolitik, und fast tausend Jahre später steht ein Eifeler Frühaufsteher in kurzer Urlaubsmontur in Eguisheim und fotografiert seine Kapelle. Mystisches Eguisheim war deshalb ein eigenes Album wert. Nicht, weil es spektakulärer gewesen wäre als die Storchenbilder oder die Fachwerkgassen, sondern weil es eine andere Tiefe hatte.
Der zentrale Platz, die Kirche von innen, die Kapelle, die Erinnerung an Leo IX., all das gab dem Ort eine geistige Mitte. Es war ein Moment, in dem man spürte, dass das Elsass nicht nur schön ist, sondern geschichtet: keltisch, römisch, mittelalterlich, deutsch, französisch, katholisch, bäuerlich, touristisch, lebendig. Alles liegt übereinander wie alte Farbschichten an einer Wand. Und vielleicht ist genau das der Zauber solcher Orte. Man kommt wegen der Schönheit und bleibt einen Moment wegen der Stille. Man hört Störche klappern und steht plötzlich vor einem Papst. Das Elsass ist eben kein flaches Postkartenland, sondern ein Raum voller verborgener Türen.
Man muss nur früh genug aufstehen, damit sie noch nicht von Reisegruppen blockiert sind. 😊⛪🍇
3. Juni 2026 / Album 5 / Petite Venise
Nach Eguisheim führte der Weg nach Colmar, und dort natürlich zu jenem berühmten Bereich, der unter dem Namen Petite Venise bekannt ist. Und manchmal reicht ein Tausendstel vollkommen aus, wenn es gut gepflegt, schön beleuchtet und von Fachwerk flankiert wird. 🚤😊 Petite Venise ist kein Ort, der mit Größe beeindruckt. Es fahren kleine, flache Ausflugsboote durch den Bereich, keine großen venezianischen Gondeln, sondern eher gemütliche Wasserfahrzeuge für Menschen, die Colmar einmal aus der Entenperspektive erleben wollen, ohne selbst nass zu werden. Am Quai de la Poissonnerie erinnert schon der Name an das Fischerviertel, und auch die alten Nutzungen rund um Wasser, Gärten und Märkte schwingen hier noch nach.
Heute ist daraus eine der berühmtesten Kulissen Colmars geworden. Man könnte sagen, die praktische Wasserader von früher hat sich in eine poetische Spiegelader verwandelt. Natürlich darf man den Namen Petite Venise mit einem Augenzwinkern betrachten. Venedig selbst würde wahrscheinlich kurz den Markuslöwen heben und milde lächeln. Aber Colmar behauptet ja nicht, die Adria zu ersetzen. Es nimmt ein kleines Stück Wasser, stellt Fachwerk daran, lässt ein paar Boote fahren und sagt: Schaut, das reicht doch für ein Lächeln. Gerade weil es nicht wirklich Venedig ist, sondern eine elsässische Miniaturfantasie mit eigenem Charakter.
Für das Album war Petite Venise deshalb ein Fest aus Spiegelungen, Farben und sanfter Bewegung. Nach den stillen Gassen von Eguisheim und der mystischen Kirchenmitte kam hier die spielerische Seite des Tages. Es bricht die Fassaden, verdoppelt die Farben, verlangsamt den Blick. Man steht an einer Brücke und sieht nicht nur ein Haus, sondern auch sein zitterndes zweites Leben im Fluss. Vielleicht ist das der eigentliche Reiz dieses Ortes. Alles ist da, aber alles bewegt sich leicht. Sehr buddhistisch eigentlich, nur mit mehr Blumenkästen und Bootstickets. 🌿🚤✨
3. Juni 2026 / Album 6 / Colmar Finale
Wer Colmar nur auf Petite Venise reduziert, nimmt dieser Stadt ihre eigentliche Breite. Petite Venise ist wunderbar, aber Colmar hat viel mehr zu bieten: Gassen, Plätze, Fassaden, Kirchen, Museen, alte Handelshäuser, Schilder, Brunnen, kleine Läden, Straßenszenen und diese besondere elsässische Mischung aus französischer Eleganz und deutscher Fachwerkseele. Colmar ist keine Stadt, die man einfach besichtigt. Colmar hat dieses Talent, ständig neue kleine Bühnen zu öffnen. Und dann ist da natürlich noch Frédéric-Auguste Bartholdi, der Schöpfer der Freiheitsstatue, der in Colmar geboren wurde. In Colmar wird Weltgeschichte plötzlich lokal, und das ist immer reizvoll.
Im Album Colmar Impressionen ging es deshalb um den restlichen Blick auf die Stadt, abseits der berühmten Wasserbilder. Hier durften die kleinen Dinge ihren Auftritt bekommen: eine schöne Fassade, ein Ladenschild, ein Straßencafé, ein Schatten auf einer Wand, ein Blick in eine Seitengasse, das Gewimmel des Tages, die Farben der Altstadt. Nach dem frühen Eguisheim war Colmar lebendiger, dichter, voller Menschen und Bewegung. Nicht mehr die stille Morgenwelt, sondern die Stadt als Bühne. Natürlich braucht man für Colmar auch eine gewisse innere Festigkeit. Die Stadt ist so fotogen, dass sie einen beinahe überfordert.
Man könnte alle drei Meter stehen bleiben und wieder ein Bild machen. Für Fotografen ist es ein Ausdauertraining mit ästhetischem Kontrollverlust. Man nimmt sich vor, jetzt aber wirklich weiterzugehen, und dann hängt da wieder ein Schild, steht da wieder ein Brunnen, leuchtet da wieder ein Fensterladen in perfektem Licht. Am Ende rundete dieses Album den Tag wunderbar ab. Der Morgen begann in der stillen Nachtwache des James, führte über Wolken und Weinberge nach Eguisheim, weiter zu Störchen, Papstgeschichte und mystischer Kirchenstille, dann ins kleine Wasserreich von Petite Venise und schließlich in die volle Altstadtfülle Colmars.
Es war ein Tag, der viele Schichten hatte: Natur, Geschichte, Humor, Schönheit, Tourismus, Spiritualität und ein wenig kontrollierter Fotowahnsinn. Kurz gesagt: ein ganz normaler Elsass-Tag, wenn das Elsass beschlossen hat, wieder einmal maßlos charmant zu sein. 😊🍇🦩🚤✨
4. Juni 2026 / Album 1 / Elsass Sunrise
Der siebte Reisetag begann noch nicht in Luxemburg, nicht in den Ardennen und auch nicht zwischen Burgmauern, sondern ganz eindeutig dort, wo der vorherige Abend verklungen war: im James Hotel bei Eguisheim, mitten im Elsass, zwischen Fachwerk, Weinbergen, Storchendächern und diesem besonderen Morgenlicht, das in dieser Region manchmal wirkt, als hätte jemand heimlich Goldstaub über die Rheinebene gestreut. Nach den intensiven Elsass Tagen mit Eguisheim, Colmar, Störchen, Weinbergen, Spa und Fachwerkzauber sollte es nur noch weitergehen nach Luxemburg. Praktisch kam natürlich wieder das alte Reisegesetz zum Einsatz: Sobald man beschließt, keine Bilder mehr zu machen, stellt sich der Himmel in Festbeleuchtung auf. 😊
Die kleine Tasse mit dem Aufdruck Made with Love passte dabei so perfekt ins Bild, dass man fast annehmen konnte, das Elsass hätte persönlich die Requisite bereitgestellt. Es war ein letztes Aufglühen dieses Landstrichs, bevor die Reise weiter Richtung Luxemburg zog. Das Elsass zeigte sich noch einmal von seiner poetischen Seite: nicht mit Fachwerkfassaden, nicht mit Weinstuben, nicht mit Storchennestern, sondern mit Himmel. Wolken wie glühende Inseln, Lichtschichten wie flüssiges Metall, dazu die ruhige Morgenszene eines Hotels, das noch schlief, während einer schon wach war und wieder einmal vom Universum beim Fotografieren erwischt wurde. ☀️📸
4. Juni 2026 / Album 2 / Clervauxer Burgenasphalt
Danach hieß es Abschied nehmen vom James Hotel, von Eguisheim und von dieser märchenhaften Fachwerkblase, die sich in den letzten Tagen so dicht und bunt entfaltet hatte. Die Fahrt nach Luxemburg wurde damit auch zu einem Übergang zwischen zwei Landschaftsräumen. Vom Elsass, das mit Weinbergen, Fachwerk und Rheinischer Weite spielt, hinein in die Luxemburger Ardennen, wo die Täler enger werden, die Wälder dichter stehen und die Geschichte wieder stärker nach Burgen, Grafen und Grenzland riecht. Clervaux, auf Deutsch Clerf, liegt im Norden Luxemburgs im Tal der Clerve. Über dem Ort steht das Schloss Clervaux, dessen Ursprünge bis ins Mittelalter zurückreichen.
Besonders schwer traf es Clervaux im Zweiten Weltkrieg während der Ardennenoffensive im Dezember 1944. Der Ort und das Schloss wurden stark zerstört, später aber wiederhergestellt. Doch bevor diese geschichtliche Bühne betreten werden konnte, zeigte Clervaux erst einmal seine sehr irdische, sehr moderne, sehr orangefarbene Seite. So wurde Album 2: Clervauxer Burgenasphalt geboren. Denn dieses Album verbindet zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammenpassen und auf den zweiten Blick wunderbar komisch sind: die historische Burglandschaft von Clervaux und der ganz aktuelle Straßenbau direkt vor dem Hotel. Clervaux ist ein typischer Ardennenort, eingebettet zwischen bewaldeten Hängen, mit einer Mischung aus Hotelgebäuden, alten Fassaden, engen Straßen und dem Schloss als dominierendem historischen Bezugspunkt.
Nach Jägersburg, Straßburg, Fleckenstein, Hohkönigsburg und den vielen elsässischen Kulturpunkten wurde Clervaux fast zum luxemburgischen Schlussstein dieses Bogens. Nach all den echten Burgen und Schlossanlagen der letzten Tage standen die historischen Bauformen nun noch einmal im Kleinen vor Augen, fast wie eine verdichtete Landkarte des mittelalterlichen Luxemburgs. Türme, Mauern, Wehrformen, Schlosskörper und kleine Modelle, die zeigen, wie sehr diese Region von Burgen geprägt ist. Luxemburg ist zwar klein, aber kulturgeschichtlich ein dichter Raum. Zwischen Reich, Frankreich, Burgund, Habsburg, Spanien, Preußen und den Benelux Verflechtungen lag dieses Land immer wieder in europäischen Spannungsräumen.
Clervaux passt genau in diese Geschichte hinein: Grenzland, Durchgangsraum, Verteidigungsort, Erinnerungsort. Und so war Album 2 mehr als nur ein lustiger Baustellenmoment. Und manchmal liegt beides nur zwanzig Meter auseinander. 😊🏰
4. Juni 2026 / Album 3 / Suite Royale
Nach diesem sehr speziellen Empfang kam dann der Moment, in dem der Tag noch einmal komplett die Farbe wechselte. Also schon etwas Schönes, schon ein guter Rahmen für zwei Nächte in Luxemburg. Aber dann kam das Upgrade in die große Suite mit Whirlpool. Auf der Buchungsübersicht war der Unterschied deutlich: die gebuchte Variante rund 484 Euro für zwei Nächte, die Whirlpool Suite rund 856 Euro. Denn diese Suite war nicht einfach ein größeres Zimmer, sondern eher eine elegante kleine Residenz. Da Hotel und Zimmer nun ein gemeinsames Album bilden, gehört auch das Haus selbst in diesen dritten Teil.
Das Le Clervaux Boutique Hotel wirkt wie eine Mischung aus historisch eingebundenem Ortsgebäude und modernem Komfort. Der Tag hatte im stillen Morgenlicht des Elsass begonnen, führte über Straßen, Umleitungen und Baustellen nach Luxemburg, öffnete sich dann zur Burgengeschichte von Clervaux und endete schließlich in einer Suite mit Whirlpool und Spa Atmosphäre. Wer so etwas planen wollte, würde vermutlich scheitern. Als Reiseerlebnis funktioniert es gerade deshalb so gut, weil es ungeplant ist. Und genau darin liegt die Schönheit dieses siebten Tages. Er war kein klassischer Besichtigungstag mit sauberer Route und klarer Abfolge.
Er war ein Übergangstag, aber einer mit Charakter. Das Elsass verabschiedete sich mit einem spektakulären Sonnenaufgang. Die Geschichte meldete sich im Schloss, der Berufsalltag auf der Straße, und das Reise Karma schließlich an der Rezeption mit einem Upgrade, das den ganzen Tag noch einmal in warmes Licht tauchte. So wurde Tag 7 zu einem kleinen Sinnbild der ganzen Tour: Europa im Wechselspiel aus alter Kultur, moderner Infrastruktur, Naturlicht, Zufall, Humor und einem erstaunlich guten Gespür für Timing. Morgens noch Kaffee unter glühenden Wolken im Elsass, mittags Baustellenballett vor dem Hotel in Luxemburg, nachmittags Burgmodelle und Schlossgeschichte, abends Suite Royale mit Whirlpool.
Mehr Kontrast auf einem einzigen Reisetag geht kaum, außer vielleicht, wenn im Whirlpool noch ein Storch mit Bauhelm gesessen hätte. Aber man soll das Universum ja nicht überfordern. 😊☀️🚧🏰🛁
5. Juni 2026 / Album 1 / Vigilien von Clervaux
Der letzte Urlaubstag begann nicht mit sanfter Harfenmusik, sondern mit einer Klimaanlage, die offenbar beschlossen hatte, ihre eigene kleine Weltordnung durchzusetzen. Im Zusatzzimmer pustete sie unverdrossen kühle Luft in den Raum, ließ sich nicht wirklich beruhigen und wirkte dabei ungefähr so einsichtig wie ein Verwaltungsformular kurz vor Feierabend. Keine Klosterzelle aus Stein, kein Weihrauch, keine Kerze, aber genau die richtige Portion absurde Würde für einen Eifeler Frühaufsteher auf Reisen. Nicht perfekt, nicht still im idealen Sinn, sondern mitten im kleinen Chaos des Alltags. So wie die Praxis eben oft wirklich ist.
Danach ging es hinaus in den frühen Morgen von Clervaux. Der Ort lag noch fast menschenleer im Tal, die Straßen waren still, der Himmel graublau und der Urlaub schon spürbar im Ausklingen. Der Kopf war halb noch unterwegs, halb schon wieder in Kommern. Aber genau in diesem Zwischenraum, wo Reisen langsam Erinnerung wird, entstand noch einmal einer dieser Momente, die man nicht planen kann. Die Joggingrunde führte hinauf zur Benediktinerabtei Saint Maurice et Saint Maur. Oben am Kloster stand auf der Tafel der Tagesrhythmus der Mönche. Kein hörbarer Chorgesang, keine offene Tür, keine große Szene.
Hinter den dicken Mauern fand zu dieser Stunde vermutlich noch das frühe klösterliche Gebet statt, während draußen ein einzelner Läufer respektvoll stehen blieb und keinen Lärm machen wollte. Andere Sprache, andere Tradition, andere Bilder, aber dieselbe Morgendämmerung. Und dann noch diese wunderbare Ironie des Universums. So wurde dieses erste Album des Tages zu einem stillen Schlusskapitel der Reise. Stein, Morgenlicht, Klostermauern, graublauer Himmel und der Gedanke, dass eine kleine Insel der Stille weiterbesteht, während draußen die Welt langsam wieder anspringt.
5. Juni 2026 / Album 2 / Luxemburger Kultur
Nach diesem stillen Auftakt in Clervaux ging es hinein in die Hauptstadt des Großherzogtums. Dieses zweite Album sammelt genau diese Innenräume und kulturellen Eindrücke. Notre Dame de Luxembourg, Kirchenperspektiven, Altstadträume, Fassaden, Plätze und architektonische Details. Der Grundstein wurde 1613 gelegt, die Kirche wurde 1621 vollendet. Damit ist Notre Dame nicht einfach eine schöne Kirche, sondern ein religiöses Herzstück Luxemburgs. Dort ruht Johann der Blinde, König von Böhmen und Graf von Luxemburg, der 1346 in der Schlacht von Crécy fiel. Er ist eine jener Figuren, bei denen man merkt, wie weit Luxemburg historisch über seine heutige Größe hinausstrahlt.
Johann der Blinde verbindet Luxemburg mit Böhmen, mit dem Heiligen Römischen Reich, mit Frankreich, mit dem Hundertjährigen Krieg und mit jener mittelalterlichen Welt, in der Herrschaft, Ritterideal und dynastische Politik ein dichtes Netz bildeten. Auch verstorbene Mitglieder der großherzoglichen Familie und Vertreter der Luxemburger Geistlichkeit ruhen dort. Oben das Licht der Kathedrale, unten die Gräber der Geschichte. Rund um die Kathedrale setzt sich diese Geschichte fort. Das Großherzogtum Luxemburg selbst ist in Europa ein Sonderfall. 1815 wurde es auf dem Wiener Kongress zum Großherzogtum. Heute ist Luxemburg das einzige souveräne Großherzogtum der Welt.
Zwischen Deutschland, Frankreich und Belgien gelegen, war Luxemburg immer Durchgangsraum, Grenzraum, Festungsraum und Vermittlungsraum. Deutsch, Französisch, Luxemburgisch, internationale Stimmen, alte Mauern und europäische Gegenwart liegen hier ganz selbstverständlich nebeneinander. Dieses Album ist deshalb keine reine Kirchensammlung und auch kein klassischer Stadtrundgang. Es ist eher ein Gang durch die inneren Räume Luxemburgs. Durch Kirchen, durch Fassaden, durch Staatsgeschichte, durch religiöse Erinnerung und durch jene stille Würde, die kleine Länder manchmal besonders stark ausstrahlen, weil sie ihre Geschichte nicht über Größe erzählen müssen, sondern über Standhaftigkeit.
5. Juni 2026 / Album 3 / Luxemburger Aussichten
Nach den Innenräumen kam der große Atem der Stadt. Luxemburg ist eine Hauptstadt, die man nicht nur durch Straßen erlebt, sondern durch Höhenunterschiede. Talblicke, Brücken, Fernperspektiven, Stadtmauern, alte Festungsreste, der Blick über Grund, Alzette und Pétrusse, die große Bühne der Luxemburger Stadtlandschaft. Nach der stillen Vigil von Clervaux und den kulturellen Innenräumen der Hauptstadt wird hier der Blick weit. Luxemburgs Altstadt und Festungsreste gehören seit 1994 zum UNESCO Welterbe. Burgund, Habsburg, Spanien, Frankreich, Preußen, die Niederlande und schließlich der moderne Luxemburger Staat. Die Festung Luxemburg wurde wegen ihrer Stärke oft als Gibraltar des Nordens bezeichnet.
Das klingt erstmal nach Pathos, aber wenn man oben steht und auf die steilen Hänge, Mauern, Kasematten und Brücken schaut, versteht man den Kern. Wer Luxemburg kontrollierte, kontrollierte einen strategischen Punkt zwischen großen europäischen Machtfeldern. Mit dem Londoner Vertrag wurde die Neutralität Luxemburgs festgelegt und die Festung musste geschleift werden. Sie wirkt wie ein Symbol für das moderne Luxemburg nach der alten Festungszeit. Es ist zugleich Hauptstadt und Felsennest, Regierungssitz und Schluchtenstadt, europäisches Finanzzentrum und mittelalterlich atmende Höhenlandschaft. Von Amsterdam über Saarland, Pfalz, Elsass, Straßburg, Colmar, Eguisheim und Clervaux bis hierher.
Erst Wasser, dann Burgen, dann Weinberge, dann Klöster, dann Hauptstadtfelsen. Ein europäischer Kulturbogen, der am Ende nicht in einem Museum endet, sondern auf einem Aussichtspunkt über Luxemburg. Da steht man dann und merkt: Der Urlaub läuft aus. Aber der Blick ist nicht eng, sondern weit. Nicht mit einem hektischen Schlussstrich, sondern mit einem Talblick, ein paar Brücken, alten Mauern und dem Gefühl, dass wieder ein Stück Europa in die eigene innere Landkarte eingetragen wurde. Und irgendwo zwischen Pétrusse Tal, Notre Dame und den Felsen der Altstadt grinst das Universum wahrscheinlich noch leise vor sich hin.
6. Juni 2026 / Album 1 / Ardennennebel
Die Rückfahrt in die wilde Eifel wurde noch einmal von jenem stillen Nebel begleitet, der über Our und Ardennen hängt wie ein letzter Schleier der Reise. Nach Schlössern, Städten, Klöstern, Weinbergen und Luxemburger Höhen trat die Landschaft nicht laut auf, sondern grau, weich und geheimnisvoll.
Gerade dieser Schluss passte wunderbar zum ganzen Kulturbogen. Kein Feuerwerk, keine große Schlussfanfare, sondern Nebel über Tälern, feuchte Luft, Waldlinien und dieses letzte Staunen, das leise sagt: Heimkehr kann ebenfalls ein Abenteuer sein. Die Ardennen winkten, die Eifel wartete, und der Urlaub rollte heimwärts wie ein müder, glücklicher kleiner Pilgerwagen. 🌫️🌿✨
